Flüchtlingskrise Ungarn mobilisiert Reservisten

Die Regierung in Budapest beruft in der Flüchtlingskrise freiwillige Reservisten der Armee ein. Laut amtlicher Nachrichtenagentur MTI entspricht der ungarische Verteidigungsminister damit einer Bitte des Generalstabs.

Ungarische Soldaten beim Zaunbau an der Grenze zu Kroatien: Reservisten einberufen
AP

Ungarische Soldaten beim Zaunbau an der Grenze zu Kroatien: Reservisten einberufen


Sie sollen in den Kasernen Soldaten ersetzen, die zur Sicherung der Grenzen abkommandiert wurden: Der ungarische Verteidigungsminister István Simicskó hat die Mobilisierung von Reservisten angeordnet. Damit habe er einer Bitte des Generalstabschefs entsprochen, berichtet die amtliche Nachrichtenagentur MTI.

Neben dem Kasernendienst könnten die Reservisten auch für andere Aufgaben eingesetzt werden, hieß es.

Ungarn streitet sich derzeit mit seinen südlichen Nachbarn Serbien und Kroatien über den Umgang mit Zehntausenden Flüchtlingen, die auf dem Weg nach Westeuropa sind.

Ungarn meldet Fertigstellung des Grenzzauns zu Kroatien

In der Nacht zum Samstag sei der Stacheldrahtzaun an der Grenze zu Kroatien fertiggestellt worden, mit dem das Land sich gegen die Ankunft von Flüchtlingen vom Balkan abschotten will. Das sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Attila Kovács, der Nachrichtenagentur AFP.

Hunderte von Soldaten hatten tags zuvor mit dem Bau des 41 Kilometer langen Zauns begonnen. Die Grenze zwischen Ungarn und Kroatien ist insgesamt 330 Kilometer lang. Sie verläuft aber nur auf jenen 41 Kilometern über Land, auf dem restlichen Abschnitt wird sie vom Fluss Drau gebildet, der schwer zu überqueren ist.

Kroatien will auch weiter Flüchtlinge an die Grenze bringen. Man habe Ungarn regelrecht gezwungen, die Menschen aufzunehmen und werde dies auch künftig tun, sagte Ministerpräsident Zoran Milanovic. Am Freitag und in der Nacht zum Samstag brachte Kroatien Tausende Flüchtlinge zu ungarischen Grenzübergängen. Nach Angaben der ungarischen Polizei trafen am Freitag 7852 Migranten ein, die meisten von ihnen aus Kroatien.

Tschechen drohen mit Klage

Der Streit über den richtigen Umgang mit den Flüchtlingen wird auch auf Brüsseler Ebene geführt. Umstritten ist vor allem die Verteilung der Flüchtlinge auf die einzelnen EU-Mitgliedsländer.

Der tschechische Vizeregierungschef Pavel Belobradek drohte am Samstag mit einer Klage, falls die EU gegen den Willen seines Landes verpflichtende Quoten beschließen sollte. "Es ist sehr schwierig, uns jemanden gegen unseren Willen aufzunötigen", sagte der Christdemokrat (KDU-CSL) der Zeitung "Pravo". Er gehe davon aus, dass sein Land in einem solchen Fall vor den Europäischen Gerichtshof ziehen würde.

Belobradek wies den Vorwurf zurück, sein Land zeige sich nicht solidarisch genug. Tschechien habe angeboten, 1500 Flüchtlinge auf freiwilliger Basis aufzunehmen.

Zum Vergleich: Allein an der deutsch-österreichischen Grenze in Oberbayern kamen am Freitag mehr als 2000 Flüchtlinge an.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte zuletzt mit einem Mehrheitsentscheid gegen den Willen der Quotengegner gedroht. In der EU sollen 120.000 Flüchtlinge auf die Mitgliedstaaten verteilt werden, einige Staaten sperren sich aber gegen feste Quoten.

fab/AFP/Reuters



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