Nach Bootsunglück vor Libyen Uno-Organisationen fordern Wiederaufnahme der Seenotrettung

Vor der libyschen Küste könnte sich das schwerste Schiffsunglück des laufenden Jahres ereignet haben. Mehr als 115 Migranten werden vermisst. Uno-Organisationen wollen handeln.

Dieses Jahr werden laut der IOM bereits über 600 Menschen auf dem Mittelmeer vermisst.
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Dieses Jahr werden laut der IOM bereits über 600 Menschen auf dem Mittelmeer vermisst.


Mehrere Organisationen der Uno fordern, die Seenotrettung in den Gebieten vor der libyschen Küste wieder aufzunehmen. Vor wenigen Tagen hat sich dort ein schweres Bootsunglück ereignet. Nach Angaben der libyschen Küstenwache werden 115 Migranten vermisst.

Das Uno-Flüchtlingshilfswerk und das Uno-Kinderhilfswerk riefen außerdem dazu auf, die Internierung von Flüchtlingen und Migranten in Libyen zu beenden.

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) könnten bei dem Unglück noch mehr Menschen ums Leben gekommen sein. Die Organisation schätzt, dass bis zu 300 Menschen in Seenot gewesen sein könnten, unter ihnen Frauen und Kinder. Es wäre das schwerste Schiffsunglück des laufenden Jahres auf dem Mittelmeer.

Am späten Abend teilte IOM mit, dass 87 Migranten an die libysche Küste zurückgebracht worden seien. 84 von ihnen seien in das Internierungslager Tadschura gebracht worden.

Das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten für Menschen, die nach Europa kommen wollen. Beim Versuch, es zu überqueren, kamen dieses Jahr nach IOM-Angaben bereits mehr als 680 Menschen ums Leben. Mehr als 3700 seien aufgegriffen und in Internierungslager in Libyen gebracht worden. In den Lagern herrschen menschenunwürdige Bedingungen, Inhaftierte berichten von Folterungen und Vergewaltigungen.

Derzeit sind keine privaten Rettungsschiffe im Mittelmeer unterwegs. Die deutsche Organisation Sea-Eye kündigte allerdings am Donnerstag an, mit der "Alan Kurdi" in Richtung der Rettungszone vor der libyschen Küste aufzubrechen. Dort werde sie voraussichtlich Dienstag eintreffen, erklärte die Regensburger Organisation.

EU will kurzfristigen Verteilmechanismus schaffen

Innerhalb der Europäischen Union läuft ein Streit darüber, wie Migranten verteilt werden sollen, die im Mittelmeer gerettet werden. Noch immer konnte sich die EU nicht auf einen Verteilmechanismus oder eine Rettungsmission einigen. Eine "Koalition der Willigen" soll nun einen kurzfristigen Mechanismus schaffen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verkündete vor wenigen Tagen, dass 14 Länder einem deutsch-französischen Kompromissvorschlag "im Prinzip" zustimmen würden.

Derweil bewilligte die italienische Abgeordnetenkammer einen Gesetzesentwurf, nach dem Seenotrettern in dem Land künftig Strafen von bis zu einer Million Euro drohen könnten, wenn sie mit ihren Schiffen unerlaubt in italienische Hoheitsgewässer fahren. Das neue Gesetz soll den Behörden im Fall einer Verletzung eines Einfuhrverbots auch ermöglichen, das betreffende Schiff zu konfiszieren. Damit wird der Druck auf Hilfsorganisationen, die im Mittelmeer Migranten retten, weiter erhöht.

höh/dpa

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