Marokko 500 Flüchtlinge stürmen spanische Exklave Melilla

Es war der größte Ansturm, den die Stadt je erlebte: Rund tausend Afrikaner haben versucht, über die Grenze in die spanische Exklave Melilla und damit in die EU zu gelangen, 500 von ihnen gelang es. Spanien schlägt Alarm und fordert Hilfe von der EU.
Afrikaner an der Grenze zu Melilla: Im Nebel kletterten sie über die Zäune

Afrikaner an der Grenze zu Melilla: Im Nebel kletterten sie über die Zäune

Foto: Tom Gandolfini/ AFP

Melilla - Der dichte Nebel verleitete viele zum Versuch und nahm den Grenzpolizisten die Sicht: Beim größten Massenansturm auf Melilla sind etwa 500 afrikanische Flüchtlinge in die spanische Nordafrika-Exklave gelangt. Etwa tausend Afrikaner hatten nach Schätzungen der Behörden am Dienstag versucht, von Marokko aus auf spanisches Gebiet zu gelangen und über die sieben Meter hohe, mit Stacheldraht befestigte Grenzanlage zu klettern. Zuletzt hatten im Februar mehr als hundert Flüchtlinge Melilla erreicht.

Offiziellen Angaben zufolge wurden 102 Flüchtlinge aus Ländern südlich der Sahara festgenommen, nachdem die Sicherheitskräfte schon in der Nacht zuvor 150 Migranten in Gewahrsam genommen hatten. Demnach mussten 29 Flüchtlinge in Krankenhäusern wegen leichten Verletzungen behandelt werden, die sie vom Stacheldraht davongetragen hatten. Auch fünf Polizisten seien verletzt worden, als Migranten sie mit Steinen beworfen hätten.

Auf den an Marokko grenzenden spanischen Mittelmeer-Exklaven Melilla und Ceuta kommt es seit Wochen zu Massenanstürmen, nachdem Spaniens Regierung ihren Sicherheitskräften den Einsatz von Gummigeschossen zur Abwehr der Flüchtlinge verboten hatte. Menschenrechtsaktivisten hatten dieses Vorgehen scharf kritisiert. Laut spanischen Angaben warten derzeit rund 80.000 Afrikaner auf eine Gelegenheit, um nach Melilla oder Ceuta zu gelangen. Die beiden Gebiete haben die einzigen Landgrenzen zwischen Afrika und der Europäischen Union, wo sich viele Migranten ein besseres Leben erhoffen.

Nach dem jüngsten Ansturm kündigte Madrid eine Verstärkung der Polizeikräfte in Melilla an. Innenminister Jorge Fernández Díaz forderte die EU auf, sich verstärkt am Kampf gegen die illegale Immigration zu beteiligen. Spanien könne das Problem, das auf die großen Unterschiede im Lebensstandard zwischen Afrika und Europa zurückgehe, nicht allein bewältigen.

"Das kann nicht so weitergehen", sagte der Chef der Stadtregierung von Melilla, Juan José Imbroda. "Es müssen drastische Entscheidungen getroffen werden. Beim Anblick der einströmenden Afrikaner hatte man den Eindruck, eine Armee ziehe in die Stadt ein."

mia/dpa/AFP