Flüchtlingsdrama Küstenwache entdeckt 14 Leichen im Wasser

Tod in der See: Unweit der Mittelmeerinsel Lampedusa hat die italienische Küstenwache die Leichen von 14 Flüchtlingen aus Afrika entdeckt. Die Behörden schließen nicht aus, dass die Toten bereits seit vergangenen Freitag im Meer trieben.


Rom - Sechs der Toten wurden bis zum späten Abend aus dem Meer geborgen, wie die Behörden mitteilten. Die Leichen wurden von der Besatzung eines Flugzeugs rund 80 Kilometer südwestlich der Insel geortet. Daraufhin wurden Patrouillenboote in die Region entsandt.

Die Leichen hätten Schwimmwesten getragen und seien rund 50 Seemeilen südlich der Insel im Wasser getrieben. In der Nähe des Fundortes sei kein Boot gesichtet worden, teilte die Marine mit.

Hintergründe der Katastrophe seien unklar, hieß es. Vermutlich seien die Migranten mit einem Schlauchboot aus Nordafrika gekommen, das am Freitag in maltesischen Gewässern untergegangen war. Überlebende hatten von 14 vermissten Passagieren gesprochen.

Die Zahl der illegalen Einwanderer, die innerhalb eines Tages vermutlich von Nordafrika über das Mittelmeer nach Italien kamen, stieg damit offiziellen Angaben zufolge auf fast 300. Allein 230 Migranten seien innerhalb weniger Stunden auf den Inseln Sardinien, Sizilien und Lampedusa gelandet.

Zugleich schmuggelten Schlepperbanden 17 irakische Kurden auf einer Autofähre aus Griechenland in den Adriahafen Brindisi ein. Die Kurden waren nach Angaben der Behörden in einem Laster mit deutschem Kennzeichen versteckt gewesen. Ein Türke und ein Armenier seien wegen Menschenschmuggels festgenommen worden, die Kurden würden abgeschoben.

Vor allem das gute Wetter und die ruhige See seien der Grund, dass derzeit besonders viele Boote das Mittelmeer überquerten, hieß es weiter. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa im Einzelnen berichtete, brachte die Küstenwache allein vor Sardinien mehrere Flüchtlingsboote mit insgesamt 150 Insassen auf. Die aus Algerien stammenden Männer seien in den Hafen von Cagliari gebracht worden.

Vor rund vier Wochen waren vor Lampedusa zahlreiche Menschen ertrunken, als zwei Boote südlich der Insel gesunken waren. Die Flüchtlinge hatten wie schon tausende vor ihnen versucht, von der nordafrikanischen Küste illegal nach Italien zu gelangen.

amz/AP/dpa



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