Flüchtlingsdrama Von Mugabes Hölle in Südafrikas Verbrecher-Ghetto

Millionen Simbabwer sind aus Angst vor der Gewalt von Diktator Robert Mugabe bereits nach Südafrika geflohen. Für die meisten jedoch entpuppt sich das Nachbarland aber schnell als feindliches Territorium.

Von Corinna Arndt, Johannesburg


Johannesburg – Der Mann in dem verwaschenen T-Shirt rutscht immer tiefer in seinen Stuhl. Solomon möchte er genannt werden, das muss reichen. Der 31 Jahre alte Familienvater aus der simbabwischen Stadt Bulawayo lebt illegal in Südafrika. Geflüchtet ist er vor Robert Mugabes Diktatur. Doch auf der Flucht ist er bis heute: vor der südafrikanischen Polizei.

Solomon sitzt im Büro einer Hilfsorganisation in der Johannesburger Innenstadt. Durch das angelehnte Fenster im fünften Stock dringt der Verkehrslärm aus der Straßenschlucht tief unten. Es regnet seit den frühen Morgenstunden. Der Himmel ist so grau wie der Asphalt.

Langsam, stockend, doch immer eindringlicher beginnt Solomon zu sprechen. Er erzählt von seiner Heimat, die er im Dezember verlassen hat. Davon, wie er jahrelang im Auftrag des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen Lebensmittel an die arme Landbevölkerung verteilt hat. "Ich hatte nie mit dem Gedanken gespielt, mein Land zu verlassen. Ich wollte es retten”, sagt er. Doch dann wollten ihn Mugabes Schergen zwingen, all jenen Lebensmittelrationen zu verweigern, die angeblich die politische Opposition unterstützten. Solomon wehrte sich dagegen, wurde bedroht, kündigte. Einen neuen Job fand er nicht. Irgendwann konnte er die Miete für das Haus seiner Familie nicht mehr zahlen und entschied sich für die Flucht nach Südafrika – allein, mit umgerechnet 40 Euro in der Tasche. Professionelle Schlepper hätten das Vierfache verlangt.

"Die Idee war, nach Südafrika zu gehen, hier einen Job zu finden und dann regelmäßig Geld nach Hause zu schicken", erzählt er. Es ist der Traum, den Millionen in Simbabwe träumen. Und es ist der Traum, der sich millionenfach als Alptraum entpuppt: "Bis heute habe ich hier keine Arbeit gefunden", meint Solomon resigniert. "Ich glaube nicht, dass ich es schaffen werde. Es ist verdammt schwierig hier in Südafrika."

Wie viele seiner Landsleute am Kap Zuflucht gefunden haben, weiß niemand so genau – angeblich sind es zwischen ein und drei Millionen. Die meisten davon leben in Johannesburg. Und am billigsten wohnt man im Stadtteil Hillbrow, der berüchtigt ist für seine Schwindel erregenden Kriminalitätsraten. Kaum ein Südafrikaner wagt sich freiwillig in dieses Viertel. Das Ergebnis: leer stehende Gebäude, die nun als Auffangbecken dienen für Immigranten aus ganz Afrika. Auch Solomon hat hier ein Dach über dem Kopf gefunden: in einem Haus, das buchstäblich voll gestopft ist mit Flüchtlingen: "Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich mal so leben würde", sagt er. "Zu Hause miete ich ein ganzes Haus, nur für meine Familie und mich. Hier sind wir acht Leute in einem Zimmer. Ich hätte nie geglaubt, dass ich in meinem Alter noch einmal mit einem anderen Mann im selben Bett schlafen würde."

  • 1. Teil: Von Mugabes Hölle in Südafrikas Verbrecher-Ghetto
  • 2. Teil


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