Flüchtlingsdrama vor Sizilien "Cap Anamur" läuft Hafen an

Nach mehr als drei Wochen ankert die "Cap Anamur" nun im italienischen Hafen von Empedocle. Wie es mit den 37 Flüchtlingen aus der Krisenregion Darfur im Sudan weiter geht, ist aber völlig unklar. In Deutschland haben sie wenig Chancen auf Asyl.


Flüchtlinge auf der "Cap Anamur": An Bord herrscht Verzweiflung
DPA

Flüchtlinge auf der "Cap Anamur": An Bord herrscht Verzweiflung

Rom/Frankfurt - Am frühen Nachmittag titelten die Nachrichtenagenturen schon mit "Happy End für die Cap Anamur". Laut den Berichten war das Schiff nach tagelangem Nervenkrieg gegen Mittag im sizilianischen Hafen Porto Empedocle angelaufen. Die zumeist aus dem Sudan stammenden Flüchtlinge durften das Schiff verlassen, um mit einem Bus zu einem Asylbewerberheim in der nahe gelegenen Stadt Agrigento gebracht zu werden.

Der Chef der Hilfsorganisation Cap Anamur, Elias Bierdel, zeigte sich erfreut über die glückliche Wendung der Ereignisse. "Unser Auftrag ist heute erfüllt, wir bringen Schiffbrüchige, die wir in internationalen Gewässern aufgenommen haben, in einen sicheren Hafen." Bierdel zeigte sich überrascht vom plötzlichen Nachgeben der italienischen Behörden. Kurz zuvor habe man der Hilfsorganisation noch mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gedroht.

Flüchtlingsschiff "Cap Anamur" vor Porto Empedocle
REUTERS

Flüchtlingsschiff "Cap Anamur" vor Porto Empedocle

So groß allerdings die Freude auch war, so unklar blieb das weitere Schicksal der Flüchtlinge. In Berlin stellte der Sprecher des Innenministeriums umgehend klar, dass sie keinen Anspruch auf Asyl in Deutschland hätten. Alle 37 Flüchtlinge an Bord hatten zumindest die Vordrucke für einen Antrag auf Asyl unterschrieben. Dies allerdings spielt für die deutschen Behörden keine Rolle. "Ein deutsches Schiff ist kein deutsches Hoheitsgebiet", erklärte der Sprecher des Schily-Ministeriums.

Im deutschen Innenministerium sieht man nun die Italiener am Zug. Der Sprecher verwies darauf, dass allein Italien für die Flüchtlinge zuständig sei, da sie dort von Bord gegangen seien. Sie müssten in dem Land, das sie zuerst erreichten, einen Asylantrag stellen. Die Schiffsherkunft spiele keine Rolle. Die Tatsache, dass Italien die Flüchtlinge aufnehme, sei die von Deutschland angestrebte humanitäre Lösung, so der Sprecher weiter. Aus Italien war zunächst nichts über das weitere Vorgehen der Behörden zu erfahren.

Die "Cap Anamur" hatte die Flüchtlinge am 21. Juni aus dem Mittelmeer gerettet, nachdem sie versucht hatten, mit einem Schlauchboot aus ihrer Heimat zu fliehen. Seitdem leben die Flüchtlinge im Zwischendeck des Rettungsbootes, das regelmäßig so genannte "boat people" aufgreift und sie zu einem sicheren Hafen bringt.



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