Überfülltes Flüchtlingslager auf Lesbos Feuer und Zusammenstöße in Camp Moria

Im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos hat es gebrannt. Die Polizei hat mindestens ein Todesopfer bestätigt. Das griechische Uno-Flüchtlingshilfswerk schreibt auf Twitter von zwei Toten.

Menschen versuchen, aus dem Flüchtlingslager Moria zu fliehen
REUTERS/Giorgos Moutafis

Menschen versuchen, aus dem Flüchtlingslager Moria zu fliehen

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Im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos sind am Sonntagnachmittag zwei Feuer ausgebrochen. Das bestätigte ein Sprecher der griechischen Polizei dem SPIEGEL.

Die Polizei hat bislang mindestens eine tote Person bestätigt. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Griechenland schreibt auf Twitter von zwei Toten, einer Frau und einem Kind. Auch die staatliche Nachrichtenagentur Amna berichtete am Abend von zwei Toten. Migranten hätten den Körper eines toten Kindes geborgen, hieß es. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sprach gegenüber dem SPIEGEL von ein bis drei möglichen Opfern.

Das erste Feuer bracht laut Polizei gegen 17 Uhr an einem Olivenhain aus, der außerhalb des offiziellen Camps liegt. Wenig später brannte es auch innerhalb der Anlage. Gegenüber der Nachrichtenagentur AP sagte der Polizeisprecher Theodoros Chronopoulus, Menschen aus dem Camp hätten die Feuer gelegt und verlangten, aufs Festland gebracht zu werden. Beide Brandherde seien inzwischen gelöscht.

Nach dem Ausbrauch habe das Feuer auch auf Wohncontainer übergegriffen, sagte ein weiterer Sprecher der Polizei. Nach der Ankunft der Polizei sei es zu Auseinandersetzungen zwischen Migranten und der Polizei gekommen. Derzeit versuchten die Bewohner den Abschiebebereich zu besetzen, so der Sprecher. Die Lage sei noch nicht völlig unter Kontrolle. Die Beamten würden nun Verstärkung vom Festland bekommen. Auf Fotos und Videos aus dem Camp sind große Rauchschwaden zu sehen.

In dem Lager und dem angrenzenden Olivenhain schlafen viele Tausende Geflüchtete in notdürftig aufgestellten Zelten. Das Camp war ursprünglich nur für 3000 Personen gedacht. Inzwischen leben in Moria rund 12.500 Menschen, die von der türkischen Küste in Booten auf die Insel übergesetzt sind.

In dem völlig überfüllten Camp kommt es immer wieder zu Kämpfen unter den Bewohnern oder zwischen Migranten und der Polizei. Erst Anfang September ging die Polizei mit Tränengas gegen Minderjährige vor, die Mülleimer in Brand gesetzt hatten. Im August war ein 15-jähriger Afghane nach einem Messerangriff gestorben, zwei weitere Minderjährige wurden verletzt.

Tränengas gegen Camp-Bewohner

Die Situation auf Lesbos verschlechtert sich derzeit, weil zunehmend mehr Menschen von der türkischen Küste auf die ägäischen Inseln übersetzen. Die meisten von ihnen kommen ursprünglich aus Afghanistan und haben teilweise mehrere Monate oder Jahre in der Türkei verbracht.

Das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass die Menschen auf den Inseln bleiben müssen, bis ihr Asylverfahren abgeschlossen ist. Aufs griechische Festland werden in der Regel nur diejenigen gebracht, die als besonders schutzbedürftig gelten. Diese Regelung nutzt die griechische Regierung derzeit dazu, Tausende Menschen von den Inseln zu bringen, weil die Zustände dort von Woche zu Woche unmenschlicher werden.

Erst Mitte September war der Leiter des Moria-Camps zurückgetreten. Yannis Balpakakis sagte, er habe "unter schwierigen Umständen getan, was getan werden musste" und sei nun "müde".

mit Material von AP



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