Flüchtlingsschiff im Mittelmeer Spanien bietet "Open Arms" Einfahrt in Hafen der Balearen an

Weil Algeciras zu weit entfernt ist, hat die spanische Regierung dem Rettungsschiff "Open Arms" Häfen auf Mallorca oder Menorca angeboten. Die NGO erwartet nun finanzielle Hilfe für die Weiterfahrt.

Da Rettungsschiff «Open Arms» der Hilfsorganisation Proactiva harrt seit zwei Wochen im Mittelmeer aus. An Bord: 107 Menschen
DPA/Salvatore Cavalli

Da Rettungsschiff «Open Arms» der Hilfsorganisation Proactiva harrt seit zwei Wochen im Mittelmeer aus. An Bord: 107 Menschen


Seit etwa zweieinhalb Wochen ist das Rettungsschiff "Open Arms" mit 107 Migranten an Bord auf dem Meer blockiert. Nun könnten die Menschen auf den Balearischen Inseln von Bord gehen. "Die spanische Regierung hat der 'Open Arms' angeboten, den nächstliegenden spanischen Hafen anzufahren", teilte die Regierung in Madrid mit. In Frage kommt dafür neben der Insel Menorca das etwas weiter entfernt liegende Mallorca.

Die spanische NGO Proactiva Open Arms erklärte, es sei günstiger, die Migranten nach Spanien zu fliegen, als sie mit dem Schiff dorthin zu bringen.

Die Organisation hatte ein Angebot vom Sonntag, den andalusischen Hafen Algeciras anzusteuern, abgewiesen. Die Lage an Bord sei zu prekär, um weitere fünf Tage auf See zu verbringen.

Video: Flüchtlinge springen von "Open Arms"-Schiff

REUTERS

Seit vergangenem Donnerstag befindet sich das Schiff in unmittelbarer Nähe der italienischen Insel Lampedusa. Wegen der harten Haltung des rechten Innenministers Matteo Salvini durften die Menschen aber dort nicht an Land gehen. Algeciras ist etwa 1800 Kilometer weit weg. Die Balearen liegen mehr als 1000 Kilometer von Lampedusa entfernt.

Proactiva Open Arms forderte, Italien und Spanien müssten bei einer Fahrt nach Spanien "die notwendigen Mittel" zur Verfügung stellen. "Unser Boot liegt nur 800 Meter vor der Küste von Lampedusa, und jetzt wollen die europäischen Staaten, dass eine kleine NGO wie unsere nach 18 Tagen Wartezeit noch einmal (...) drei Tage auf See verbringt, bei schlechten Wetterbedingungen und mit 107 erschöpften Menschen an Bord", schrieb die Organisation. Medien zufolge möchte Proactiva Open Arms, dass die Migranten auf ein anderes, schnelleres Schiff umgeladen werden, um die Überfahrt zu meistern.

Der italienische Sprecher der NGO, Riccardo Gatti, brachte zudem Flugzeuge als Transportmittel ins Gespräch. "Eine Boeing für 200 Menschen zu mieten, würde 240 Euro pro Passagier kosten", sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa in Lampedusa. Eine Schiffsbegleitung hätte dagegen im ähnlichen Fall der "Aquarius" im vergangenen Jahr 250.000 Euro gekostet.

Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli hatte erklärt, die italienische Küstenwache stehe bereit, die "Open Arms" nach Spanien zu geleiten. "Ich hoffe, dass sich der Kapitän dem nicht widersetzt. Das wäre vollkommen unverständlich", betonte Toninelli.

Die EU-Kommission rief am Montag alle Beteiligten dazu auf, eine Lösung zu finden. Die Kommission sei mit mehreren EU-Staaten in Kontakt, um die anschließende Verteilung der Migranten zu organisieren. Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Portugal, Spanien und Rumänien hatten bereits signalisiert, Menschen aufzunehmen.

Zugleich bekräftigte die Sprecherin, die EU-Kommission hoffe bei der "Ocean Viking" auf das gleiche Maß an Solidarität wie im Fall der "Open Arms". Das Schiff von Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée harrt mit 356 Migranten zwischen Malta und Italien auf dem Mittelmeer aus. "Fast ein Drittel der Geretteten sind minderjährig, 92 von ihnen sind ohne Eltern oder andere Betreuungspersonen unterwegs", erklärte Ärzte ohne Grenzen.

mfh/dpa



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