Flüchtlingsstrom aus Mittelamerika Obama droht mit Abschiebung von Kindern

Die Zahlen und die Schicksale sind dramatisch: Seit vergangenem Oktober haben Zehntausende Minderjährige illegal die Grenze zur USA überquert - viele von ihnen kommen aus Mittelamerika. US-Präsident Barack Obama drohte nun erneut mit drastischen Konsequenzen.
An der Grenze zwischen den USA und Mexiko: Zwei Grenzschützer greifen minderjährige Flüchtlinge auf

An der Grenze zwischen den USA und Mexiko: Zwei Grenzschützer greifen minderjährige Flüchtlinge auf

Foto: JOHN MOORE/ AFP

Washington - US-Präsident Barack Obama hat mit seinen Kollegen aus Honduras, El Salvador und Guatemala über die humanitäre Krise wegen des massiven Zustroms von Kindern und Jugendlichen aus Mittelamerika beraten. Juan Orlando Hernández, Salvador Sánchez Cerén und Otto Pérez Molina trafen am Freitag mit Obama im Weißen Haus zusammen. Dabei drohte der US-Präsident erneut mit der Abschiebung der Kindermigranten.

Kinder und Jugendliche ohne Asylanspruch "werden irgendwann in ihre Heimatländer zurückgebracht", sagte Obama nach dem Gespräch, an dem auch US-Vizepräsident Joe Biden teilnahm. "Ich habe betont, dass die amerikanische Bevölkerung und meine Regierung großes Mitgefühl mit diesen Kindern haben." Zugleich müssten aber die Gesetze der USA eingehalten und Minderjährige davon abgebracht werden, sich mit der Reise nach Norden "großen Gefahren" auszusetzen.

"Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, dieses Problem anzugehen", sagte Obama. Mit seinen Kollegen aus Mittelamerika habe er daher eine weitere Zusammenarbeit vereinbart. Dabei müssten auch die "tieferen Ursachen" wie Armut und Gewaltkriminalität in den Herkunftsländern der Kindermigranten bekämpft werden.

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Minderjährige Flüchtlinge: Der Exodus aus Mittelamerika

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Seit vergangenem Oktober kamen mehr als 57.000 Minderjährige ohne Begleitung eines Erwachsenen illegal über die Grenze in die USA. Bis Ende September könnte die Zahl nach Schätzungen der US-Regierung auf 90.000 steigen. Vor allem aus Honduras, El Salvador und Guatemala machen sich Kinder und Jugendliche auf den Weg, oftmals begeben sie sich in die Hände von Schleuserbanden.

Die massenhafte Ankunft der Kindermigranten überfordert die US-Behörden und befeuert die Debatte über die Einwanderungspolitik der Vereinigten Staaten. Anfang Juli bat Obama den Kongress um eine Sonderfinanzierung von 3,7 Milliarden Dollar, um mit der "dringenden humanitären Situation" an der Grenze zu Mexiko umzugehen. Mit den Mitteln soll die Unterbringung der Kindermigranten gewährleistet werden, außerdem will das Weiße Haus mit zusätzlichen Asylbeamten und Richtern den Abschiebeprozess beschleunigen.

Allerdings ist unwahrscheinlich, dass der Kongress die volle Summe bewilligt. Außerdem dürfte die Entscheidung wohl nicht mehr vor der Sitzungspause im August fallen. Obamas Demokraten, die im Senat die Mehrheit haben, peilen ein Paket im Umfang von immerhin 2,7 Milliarden Dollar an. Die Republikaner, die das Repräsentantenhaus kontrollieren, wollen dagegen nur gut eine Milliarde Dollar zur Verfügung stellen.

Beide Lager streiten zudem über die Frage, wie stark ein Gesetz gegen Menschenschmuggel aus dem Jahr 2008 eingeschränkt werden soll, das minderjährigen Migranten weitreichende Schutzrechte gewährt. Republikanische Kongressmitglieder verlangen darüber hinaus die Rücknahme einer umstrittenen Anordnung Obamas von 2012, bestimmte junge Einwanderer ohne gültige Papiere nicht mehr abzuschieben. Sie werfen dem Präsidenten vor, damit einen Anreiz für die illegale Einwanderung Minderjähriger geschaffen zu haben.

Insgesamt leben schätzungsweise mehr als elf Millionen Migranten ohne gültige Papiere in den Vereinigten Staaten, der überwiegende Teil von ihnen stammt aus Lateinamerika. Seit Jahren ringt die Politik in Washington um eine Reform des Einwanderungsrechts, um diesen Menschen unter bestimmten Bedingungen einen legalen Aufenthaltsstatus zu ermöglichen. Zuletzt scheiterte ein im Sommer 2013 vom Senat verabschiedeter Entwurf am republikanischen Widerstand im Repräsentantenhaus. Angesichts der Blockade kündigte Obama an, seine Ideen in der Einwanderungspolitik mithilfe von präsidialen Dekreten durchzusetzen. Die Reichweite dieser Verordnungen ist allerdings begrenzt.

jbe/AFP
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