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18. Juli 2014, 01:17 Uhr

Ostukraine

USA haben Hinweise auf gezielten Abschuss der Boeing 

US-Medien berichten übereinstimmend, die Maschine der Malysia Airlines sei von einer Flugabwehrrakete abgeschossen worden. Darauf deuten amerikanische Satelliten-Daten hin.

Kiew - Die Reise der Passagiere von Flug MH17 der Malaysia Airlines startete um 12.15 Uhr in Amsterdam. Ihr Ziel war die malaysische Hauptstadt Kuala Lumpur. Doch über der Ostukraine, in einem von prorussischen Separatisten umkämpftem Gebiet nahe der Stadt Donezk, stürzte sie ab. Alle Menschen an Bord starben, darunter mehr als 150 Niederländer und auch vier Deutsche. Auch US-Amerikaner, Australier und Franzosen sind unter den Opfern.

Wenige Stunden nach dem Absturz mehren sich die Hinweise, dass es sich nicht um einen Unfall, sondern vielmehr um einen Angriff gehandelt haben könnte. So berichten die "Washington Post", die "New York Times" und die Nachrichtenagentur AFP übereinstimmend, die Boeing sei von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden. Sie berufen sich dabei auf US-Behörden und den Geheimdienst. Ein militärischer Aufklärungssatellit lieferte laut "New York Times" die entscheidenden Hinweise, die für einen Abschuss der Maschine sprechen. Nun arbeiten amerikanische und ukrainische Experten laut der Zeitung daran, zu analysieren, von wo aus die Rakete abgeschossen worden ist und um was für eine Art von Rakete es sich handelte.

Am Donnerstagabend war bekannt geworden, dass die Maschine vor dem Absturz keinen Notruf abgesetzt hatte. US-Vizepräsident Biden sagte, es handele sich bei dem Unglück nicht um einen Unfall, vielmehr sei "die Maschine vom Himmel geholt worden". Die malaysische Regierung wollte am Abend noch nicht von einem Abschuss sprechen. Man habe noch keine Möglichkeit gehabt, die möglichen Gründe für den Absturz der Maschine zu verifizieren, sagte Premier Najib Razak.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Die Parteien im Ukraine-Konflikt bezichtigen sich gegenseitig, für die Tragödie verantwortlich zu sein.

Treffen des Uno-Sicherheitsrats

Der Flugzeugabsturz in der Ukraine fällt in eine politisch ohnehin schon sehr angespannte Lage. Seit Wochen liefern sich prorussische Separatisten um Donezk und Luhansk heftige Kämpfe, Donezk ist eine der letzten verbliebenen Hochburgen der Milizen. In den vergangenen Tagen sind die Gefechte eskaliert. Nach militärischen Erfolgen der Regierungstruppen schlugen die Separatisten mit schweren Waffen zurück, mit russischen Raketenwerfern des Typs "Grad - Hagel" nahmen sie ukrainische Militärkolonnen unter Feuer.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zeigte sich besorgt: Die Instabilität in der Region, die durch von Russland unterstützte Separatisten hervorgerufen worden sei, habe eine gefährliche Situation geschaffen. Diejenigen, die womöglich verantwortlich für den Absturz seien, müssten vor Gericht gestellt werden.

Die prorussischen Separatisten erklärten sich zu einer Waffenruhe von drei Tagen bereit, wie die russische Nachrichtenagentur Ria News unter Berufung auf Milizen berichtete. So solle ermöglicht werden, dass mehr Helfer zum Wrack der abgestürzten Passagiermaschine gelangen können.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich über den Absturz bestürzt und forderte wie ihr Kabinettskollege, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls. Sollte sich bestätigen, dass der Flieger abgeschossen worden sei, stelle das eine "tragische Eskalation des Konfliktes im Osten der Ukraine dar", ließ Merkel über ihren Sprecher mitteilen.

Die britische Regierung forderte, ein Treffen des Uno-Sicherheitsrats zur Ukraine-Krise einzuberufen. Das Treffen wird voraussichtlich am Freitagnachmittag am UN-Sitz in New York stattfinden.

jbe/han/dpa/AFP/Reuters/AP/

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