Flugzeugentführung Sudan Kidnapper verlangen Weiterflug nach Paris

Die Entführer einer sudanesischen Maschine mit mehr als hundert Menschen an Bord geben sich hart: Sie lehnen die Freilassung von Frauen und Kindern ab, fordern das Auftanken des Flugzeugs in Libyen und den Weiterflug nach Paris.


Khartum/Tripolis – Libysche Beamte sind in Kontakt mit den Luftpiraten. Die staatliche libysche Nachrichtenagentur Jana berichtet unter Berufung auf den Chef des Flughafens im südostlibyschen Kufrah, wohin die Entführer den Piloten gezwungen hatten, dass diese weitere Verhandlungen ablehnten. Sie weigerten sich auch, Frauen und Kinder frei zu lassen.

Nach Angaben der libyschen Luftfahrtbehörden befinden sich 95 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder an Bord der Maschine. Die Boeing 737-200 der privaten Gesellschaft Sunair war am Dienstag auf einem Inlandsflug von Nyala im Süden der westsudanesischen Unruheregion Darfur in die Hauptstadt Khartum entführt worden.

Über die Identität der Entführer herrsche Unklarheit, denn sie weigerten sich bisher, ihre Identität preiszugeben, sagte ein Beamter in der vergangenen Nacht. Die Behörden versorgten die Passagiere mit Trinkwasser. Sowohl die Anzahl der Flugzeugentführer als auch ihre Forderungen seien noch unklar.

Der arabische Sender al-Dschasira spricht von zehn Entführern. Sie seien Mitglieder der Rebellenorganisation Sudanesische Befreiungsbewegung (SLM). Auch ein Flughafensprecher sagte, die Entführer gehörten der SLM unter Führung von Abdul Wahid Nur an. Ein Sprecher der Rebellengruppe in London wies eine Beteiligung an dem Gewaltakt zurück und sagte: "Wir verurteilen diesen Akt."

SLM-Führungsmitglied Ibrahim al-Hillo vermutet einen Zusammenhang zwischen der Flugzeugentführung und der Krise in Darfur. Es handele sich um eine "Konsequenz dessen, was die Regierung in Flüchtlingslagern in Nyala tut", sagte Hillo. Am Montag waren sudanesische Sicherheitskräfte in das Flüchtlingslager Kalma nahe dem Flughafen von Nyala eingedrungen. Bei anschließenden Schießereien kamen mindestens 33 Menschen ums Leben.

Ein Behördensprecher in Nyala teilte mit, unter den Passagieren befänden sich auch ehemalige Rebellen, die jetzt der Übergangsregierung in Darfur angehören. Ein Sprecher der Rebellengruppe Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit warf der sudanesischen Regierung vor, für die Entführung verantwortlich zu sein. Sie wolle auf diese Weise die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit von dem Angriff der Streitkräfte auf das Flüchtlingslager Kalma ablenken.

In Darfur kämpfen seit 2003 Rebellenorganisationen gegen regierungsfreundliche arabische Reitermilizen und die sudanesischen Streitkräfte. Dabei kamen nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis zu 300.000 meist unbeteiligte Menschen durch Gewalt, Hungersnöte und Krankheiten ums Leben. Mehr als 2,2 Millionen Menschen mussten aus ihren Häusern flüchten.

Die Regierung gibt die Zahl der Toten mit rund 10.000 an. Die Rebellen sind in zahlreiche Gruppe gespalten.

asc/AFP/AP/Reuters



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