Flugzeugentführung Sudan Zwei Kidnapper sollen aufgegeben haben

Die Passagiere sind frei, die Besatzung noch nicht – nach Angaben der sudanesischen Fluggesellschaft Sun Air sollen zwei der Hijacker einer nach Libyen entführten Maschine aufgegeben haben. Doch die libyschen Behörden dementieren die Festnahme von Luftpiraten aus dem Sudan.


Tripolis – Den Angaben der Fluggesellschaft Sun Air zufolge zeichnet sich ein glimpfliches Ende der Entführung einer sudanesischen Boeing 737 nach Libyen ab: Zwei einer bisher nicht geklärten Anzahl von Entführern sollen auf dem Flugplatz Kufra in Libyen aufgegeben haben. Zuvor seien alle 87 Passagiere freigelassen worden, nachdem mehrere wegen der Hitze und des Sauerstoffmangels an Bord ohnmächtig geworden waren. Die acht Besatzungsmitglieder seien noch in der Gewalt der Entführer, hieß es.

Wieder in Freiheit: Aufnahmen des libyschen Fernsehens zeigen Passagiere der entführten Maschine
AP

Wieder in Freiheit: Aufnahmen des libyschen Fernsehens zeigen Passagiere der entführten Maschine

Das Flugzeug war auf einem Inlandsflug aus dem westsudanesischen Nyala in die Hauptstadt Karthum entführt worden. Die Hijacker hatten nach ihrer Landung in Libyen das Auftanken des Flugzeugs und Flugkarten für den Weiterflug nach Paris verlangt.

Die libyschen Behörden dementierten jedoch, Entführer festgenommen zu haben. "Das Flugzeug ist noch immer an seinem Platz, die Türen sind zu und die Piraten noch immer mit den Besatzungsmitgliedern im Inneren", sagte ein libyscher Behördenvertreter am Militärflughafen Kufra.

Die Entführer gehören nach eigenen Angaben der von Abdelwahid Nur geleiteten Splittergruppe der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA), dem militärischen Zweig der Sudanesischen Befreiungsbewegung (SLM), aus Darfur an. Abdelwahid Nur, der im französischen Exil lebt, dementierte in der vergangenen Nacht gegenüber dem arabischen Nachrichtensender al-Dschasira, dass die Entführer zu seiner Organisation gehören.

Nach libyschen Angaben sind unter den freigelassenen Passagieren fünf Lokalpolitiker aus Darfur, zwei ägyptische Polizeioffiziere, zwei Äthiopier und ein Ugander.

In Darfur kämpfen seit 2003 Rebellenorganisationen gegen arabische Milizen und sudanesische Regierungstruppen. Dem Konflikt sind bereits mehr als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen. Hunderttausende wurden vertrieben und starben auf der Flucht.

Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi hatte die Konfliktparteien aus Darfur bereits mehrfach zu Friedensgesprächen nach Libyen eingeladen. Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag hatte im Juli wegen der Greueltaten in Darfur einen Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Baschir beantragt.

asc/AFP/AP/dpa



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