Getöteter US-Journalist Britischer Rapper gilt als Hauptverdächtiger
Trauerfeier: In seinem Heimatort Rochester erinnern Plakate an den ermordeten US-Journalisten James Foley
Foto: DARREN MCCOLLESTER/ AFPEin britischer Rapper gilt den britischen Geheimdiensten als Hauptverdächtiger auf der Suche nach den Mördern des US-Journalisten James Foley. Das berichtet die britische Zeitung "Sunday Times" und beruft sich auf nicht genannte hohe Regierungsquellen. Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich demnach um den 23-jährigen Abdel-Madsched A. aus London handeln.
Die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) hatte den Journalisten Foley im November 2012 in Syrien entführt. Anfang vergangener Woche tauchte ein Video auf, das seine Ermordung zeigen soll - als Rache für US-Luftangriffe im Nordirak. In dem Video war ein maskierter Mann zu sehen, der mit britischem Akzent sprach. Britische Ermittler arbeiteten daher an der Identifizierung des Mannes. Großbritanniens Botschafter in den USA, Peter Westmacott, bestätigte zunächst nur, dass man "kurz davor" stehe, den mutmaßlichen Mörder Foleys zu identifizieren. Dabei würde man vor allem auf Stimmerkennungstechnologie setzen.
Ehemalige westliche Geiseln von IS glaubten in dem Propagandavideo ihren britischen Aufpasser wiedererkannt zu haben, dem sie wegen seines britischen Akzents den Spitznamen "John" gegeben hatten. Insgesamt hatten drei Briten die Geiseln bewacht und schikaniert, ein Trio, das die Geiseln als "die Beatles" bezeichneten - bestehend aus "John", "Ringo" und "Paul".
Hinter "John" verbirgt sich offenbar Abdel-Madsched A. Er ist der Sohn eines ägyptischen Radikalen und Flüchtlings, der seit 1993 politisches Asyl in Großbritannien genoss. Von London aus soll A.s Vater weiter mit dem Terrornetz al-Qaida Kontakt gehalten haben. 1998 wurde er laut "Sunday Times" verhaftet und 2012 nach einem jahrelangen Rechtsstreit in die USA ausgeliefert. Dort muss er sich nun vor Gericht wegen seiner möglichen Beteiligung an den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 verantworten. Über 220 Menschen waren damals getötet worden.
Der Verdächtige rappte über Mordfantasien
Abdel-Madsched A. wuchs mit seinen fünf Geschwistern bei seiner Mutter auf. Er versuchte sich mit einigem Erfolg als Rapper. Seine Lieder wurden 2012 sogar vom britischen öffentlich-rechtlichen Hörfunk gespielt. In einem seiner Lieder, "The Beginning", der Anfang, rappt Abdel-Madsched A. zur Musik der britischen Band "The XX" über seine Drogenvergangenheit und über seine Wut, als sein Vater verhaftet wurde. Damals war er sechs Jahre alt.
"Gebt mir den Stolz und die Ehre wie meinem Vater. Ich schwöre, an dem Tag, als sie kamen, um meinen Vater mitzunehmen, hätte ich ein, zwei Polizisten umbringen können", rappt er in dem Song, der im März dieses Jahres veröffentlicht wurde. "Ich war damals erst sechs. Malt euch aus, was ich heute tun könnte mit einer Knarre."
Vor Kurzem habe Abdel-Madsched A. über Twitter ein Bild von sich verbreitet, auf dem er einen abgetrennten Kopf hochhält, heißt es in dem Bericht. Dazu schrieb er "Ich chille mit meinem Homie oder mit dem, was von ihm übrig ist." Sein Twitter-Account wurde inzwischen deaktiviert.
Nach Einschätzung der britischen Geheimdienste entscheiden sich pro Monat etwa 20 britische Extremisten dafür, zum Kämpfen nach Syrien oder in den Irak zu reisen. Insgesamt sollen nach Schätzungen rund 500 britische Extremisten nach Syrien und in den Irak gezogen sein.