Strategie der CIA Tötung Bin Ladens sollte Folter rechtfertigen

Die Tötung Osama Bin Ladens gilt als größter Erfolge der USA im Kampf gegen islamistischen Terror. Der CIA dient er als Rechtfertigung ihrer Foltermethoden - eine Strategie, die offenbar schon früh ausgeklügelt wurde.
US-Politiker am Todestag Bin Ladens (2011): Erfolg der CIA?

US-Politiker am Todestag Bin Ladens (2011): Erfolg der CIA?

Foto: REUTERS/ Pete Souza/ The White House

Washington - Konnte Osama Bin Laden nur dank der - jetzt bekannt gewordenen - Foltermethoden der CIA gestellt werden? Diese Version der Geschichte soll der Geheimdienst schon vor der Tötung des Qaida-Chefs im Jahr 2011 entwickelt haben, berichtet die "New York Times" .

Schon Monate vor der geheimen Kommandoaktion in Pakistan habe die CIA geplant, die von ihr mittels Folter gesammelten Informationen als Grundlage für die Jagd auf Bin Laden darzustellen. Einen Tag nach der Tötung Bin Ladens haben CIA-Mitarbeiter demnach erste Berichte in diesem Sinn an den US-Kongress verfasst.

Aus dem jetzt bekannt gewordenen Bericht des US-Senats geht jedoch hervor, dass gerade aus Verhören mit brutaler Gewaltanwendung keine wichtigen Erkenntnisse gewonnen worden seien. So heißt es dort etwa, dass "die meisten Dokumente, Stellungnahmen und Aussagen", die einen Zusammenhang zwischen der Folter von Gefangenen und der Jagd auf Bin Laden konstruieren, "fehlerhaft" seien und nicht mit anderen CIA-Protokollen übereinstimmten.

Ehemalige CIA-Agenten haben die Version des Geheimdienstes indes bekräftigt: Auf der Internetseite CIASavedLives.com  ("Die CIA hat Leben gerettet") erklären sie, dass mit dem Programm nicht nur ranghohe Qaida-Anführer gefangen genommen werden konnten - sondern es habe eben auch dabei geholfen, Terrorchef "Osama Bin Laden zu finden". Der Folterbericht des Senats enthalte "Fehler" hinsichtlich Fakten und Interpretation der CIA-Arbeit und widerspreche der Realität, hieß es auf der Seite.

"Wir schneiden deiner Mutter die Kehle durch"

Der Bericht des US-Senats über die CIA-Foltermethoden  an Terrorgefangenen hat bisher unbekannte Grausamkeiten enthüllt. Dem Papier zufolge behielten die Agenten das genaue Ausmaß ihrer Foltermethoden für sich. Die Öffentlichkeit und die Politiker seien getäuscht worden. "Die Verhörmethoden der CIA waren brutal und viel schlimmer, als der Geheimdienst den Politikern und der Öffentlichkeit weisgemacht hat", heißt es in dem Bericht. Er beleuchtet die Zeit von 2002 bis 2008.

Der Report ist der bisher umfassendste über umstrittene CIA-Verhörmethoden nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Er wurde erst nach heftigen Kontroversen veröffentlicht. Unter anderem wurden Gefangene demnach dazu gezwungen, tagelang ohne Schlaf auszukommen - zum Teil mehr als eine Woche. Mindestens fünf Gefangene erlitten dadurch schwere Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Trotzdem habe die CIA an der Praxis festgehalten.

Der Report entstand nach einer fünf Jahre währenden Untersuchung der CIA-Praktiken durch den Geheimdienstausschuss des Senats. Die Agenten drohten demnach mindestens drei Gefangenen damit, ihren Familien Schaden zuzufügen oder ihre Frauen sexuell zu missbrauchen. Wörtlich sagten die Geheimdienstmitarbeiter einem Gefangenen: "Wir schneiden deiner Mutter die Kehle durch."

Schon vor der Veröffentlichung des Berichts hatte sich Ex-Präsident George W. Bush bei den Geheimdienstlern für ihre Arbeit bedankt - und ihre Verhörmethoden verteidigt. Republikanische Senatsangehörige betonten am Dienstag, die CIA-Methoden hätten dabei geholfen, führende Terroristen zu verhaften. Präsident Barack Obama erklärte in einer ersten Stellungnahme, er werde dafür sorgen, dass die USA "niemals wieder auf solche Methoden zurückgreifen".

mxw/AFP
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