Verhöre von Terrorgefangenen US-Senat prangert brutale Foltermethoden der CIA an

Die CIA hat ihre Terrorgefangenen offenbar weit schlimmer gequält als bisher bekannt. Laut dem Folterbericht, den der US-Senat jetzt veröffentlicht hat, behielten die Agenten des Geheimdienstes die brutalsten Fakten für sich.
Verhöre von Terrorgefangenen: US-Senat prangert brutale Foltermethoden der CIA an

Verhöre von Terrorgefangenen: US-Senat prangert brutale Foltermethoden der CIA an

Foto: PAUL J. RICHARDS/ AFP

Washington - Der Bericht des US-Senats über die CIA-Foltermethoden  an Terrorgefangenen enthüllt bisher unbekannte Grausamkeiten. Dem Papier zufolge behielten die Agenten das genaue Ausmaß ihrer Foltermethoden für sich. Die Öffentlichkeit und die Politiker seien getäuscht worden. "Die Verhörmethoden der CIA waren brutal und viel schlimmer, als der Geheimdienst den Politikern und der Öffentlichkeit weisgemacht hat", heißt es in dem Bericht. Er beleuchtet die Zeit von 2002 bis 2008.

Der Report ist der bisher umfassendste über umstrittene CIA-Verhörmethoden nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Er wurde erst nach heftigen Kontroversen veröffentlicht. "Der heute veröffentlichte Bericht untersucht die geheime Inhaftierung von mindestens 119 Individuen durch die CIA im Ausland und den Einsatz von Zwangsverhörtechniken, die in einigen Fällen auf Folter hinausliefen", sagte die Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat, Dianne Feinstein.

Unter anderem wurden Gefangene dazu gezwungen, 180 Stunden ohne Schlaf auszukommen - das ist mehr als eine Woche. Mindestens fünf Gefangene erlitten dadurch schwere Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Trotzdem habe die CIA an der Praxis festgehalten.

Der Report entstand nach einer fünf Jahre währenden Untersuchung der CIA-Praktiken durch den Geheimdienstausschuss des Senats. Die CIA-Agenten drohten demnach mindestens drei Gefangenen damit, ihren Familien Schaden zuzufügen oder ihre Frauen sexuell zu missbrauchen. Wörtlich sagten die Geheimdienstmitarbeiter einem Gefangenen: "Wir schneiden deiner Mutter die Kehle durch."

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Bericht über CIA-Machenschaften: Das Grauen in den US-Folterzellen

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"Die CIA hat die Führung des Geheimdienstausschusses im Senat nicht über die Verhörmethoden informiert. Die CIA hat auch nicht auf die Forderung nach zusätzlichen Informationen des damaligen Ausschussvorsitzenden Bob Graham reagiert", heißt es in dem Bericht. "Die CIA hat das Weiße Haus und den Nationalen Sicherheitsrat in großem Ausmaß mit ungenauen und unvollständigen Informationen zum Gefangenen- und Verhörprogramm versorgt", heißt es weiter. Dadurch habe sich die Regierung kein vollständiges Bild der Geheimdienstarbeit machen können. So sei die Kontrolle des Geheimdienstes massiv erschwert worden.

Falsche Geständnisse, ungerechtfertigte Terrorwarnungen

"Die CIA hat weder den Präsidenten noch den Vizepräsidenten darüber informiert, wo sich die Gefangenenlager befinden." Mehrfach setzte die CIA dem Bericht zufolge Verhörmethoden ein, die weder vom Justizministerium noch von der Spitze des Geheimdienstes genehmigt wurden. Trotzdem wurden die Verantwortlichen der Untersuchung zufolge dafür nicht bestraft. Laut dem Report waren die Verhörmethoden zudem ineffektiv. "Mehrfach legten die Gefangenen unter Folter falsche Geständnisse ab oder machten falsche Angaben, die zu ungerechtfertigten Terrorwarnungen führten", heißt es weiter.

Schon vor der Veröffentlichung des Berichts hatte sich Ex-Präsident George W. Bush bei den Geheimdienstlern für ihre Arbeit bedankt - und ihre Verhörmethoden verteidigt. Republikanische Senatsangehörige betonten am Dienstag, die CIA-Methoden hätten dabei geholfen, führende Terroristen zu verhaften.

Präsident Barack Obama erklärte in einer ersten Stellungnahme, er werde dafür sorgen, dass die USA "niemals wieder auf solche Methoden zurückgreifen". Die beschriebenen Techniken seien "beunruhigend". Das Vorgehen im Zuge des Anti-Terror-Kampfes entspreche nicht den Werten der USA und habe dem Ansehen des Landes in der Welt geschadet. Es hätte auch nicht der nationalen Sicherheit gedient.

ler/syd