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17. Februar 2014, 13:11 Uhr

Folter und Hunger

Uno-Bericht schildert Gräuel in Nordkorea

Zehntausende politische Gefangene hausen in Lagern, Nachbarn bespitzeln einander, Frauen und Kinder werden ausgebeutet und misshandelt: Ein neuer Bericht einer Uno-Kommission listet Gräueltaten in Nordkorea auf. Doch Strafe muss das Regime in Pjöngjang kaum fürchten.

Pjöngjang - Noch am Wochenende wurde pompös gefeiert in Nordkorea: Tausende Funktionäre versammelten sich in der Hauptstadt Pjöngjang, um den 72. Geburtstag des 2011 verstorbenen Staatsführers Kim Jong Il zu würdigen. Dutzende Offiziere wurden vom Regime um Präsident Kim Jong Un befördert.

Doch bei allem Prunk - der Alltag sieht für viele Menschen in dem kommunistischen Staat komplett anders aus. Zwar gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Berichte über das Elend in dem Land, über politische Machtkämpfe und drastische Verletzungen der Menschenrechte. Doch an diesem Montag werden in London die Ergebnisse der Untersuchung einer Uno-Menschenrechtskommission präsentiert. Der Hunderte Seiten starke Bericht soll die Gräuel in Nordkorea so detailliert und drastisch schildern wie nie zuvor. Dies berichtet die BBC vorab.

Die vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen beauftragten Ermittler durften nicht selbst in den abgeschotteten Staat einreisen. Stattdessen befragten sie ein Jahr lang mehr als 80 Exilanten und Flüchtlinge in Seoul, Tokio, London und Washington über ihre Erfahrungen mit dem Terror des Regimes in Pjöngjang:

Als Konsequenz aus dem Bericht empfehlen die Ermittler, die von ihnen festgestellten Verbrechen vor ein internationales Straftribunal zu bringen. Die Führung in Pjöngjang wies die Beschuldigungen schon vorab "kategorisch und komplett" zurück. Das Regime behauptet seit Jahren, alle Anschuldigungen aus dem Ausland seien von den USA initiiert.

Mit einer Bestrafung durch die Uno muss die nordkoreanische Führung aber ohnehin nicht rechnen. Denn Beobachter sind sich einig, dass China als enger Verbündeter des Regimes jegliche Versuche, die Menschenrechtsverbrechen vor ein internationales Tribunal zu bringen, blockieren würde.

Wie drastisch das Regime auf missliebige Personen reagieren kann, zeigte sich zuletzt Ende 2013, als Diktator Kim Jong Un seinen Onkel Chang Song Taek hinrichten ließ. In seiner Neujahrsansprache sprach er von einem "entschlossenen Vorgehen" der Kommunistischen Partei, die von "Schmutz" gereinigt worden sei.

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