Folter-Vorwürfe Tochter fordert Aufklärung über Gaddafis Tod

Die Details der letzten Lebensminuten Muammar al-Gaddafis liegen im Dunkeln. Seine Tochter Aischa fordert jetzt Ermittlungen zu seinem Tod. In einem Brief an den Internationalen Strafgerichtshof prangert ihr Anwalt die "brutale Ermordung" des libyschen Diktators und die Schändung der Leiche an.
Aischa Gaddafi im April in Tripolis: Keine Informationen über Tod des Vaters und Bruders

Aischa Gaddafi im April in Tripolis: Keine Informationen über Tod des Vaters und Bruders

Foto: Mohamed Messara/ dpa

Algier - Die Tochter des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi hat den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) aufgefordert, die Todesumstände ihres Vaters zu untersuchen.

Gaddafi und sein Sohn Mutassim seien auf brutalste Weise ermordet und ihre Leichen gegen alle Regeln des Islams geschändet und zur Schau gestellt worden, schrieb Aischa Gaddafis Anwalt Nick Kaufman an den ICC. Bisher seien weder seine Mandantin noch ihre Familie offiziell darüber informiert worden, wie Vater und Sohn Gaddafi getötet worden seien, hieß es laut Nachrichtenagentur Reuters in dem Schreiben.

Muammar und Mutassim Gaddafi waren im Oktober in ihrer Heimatstadt Sirte in die Gewalt von Kämpfern der neuen Machthaber geraten und kurz darauf umgebracht worden. Anfang des Jahres hatte der ICC Haftbefehle gegen Gaddafi, dessen Sohn Saif al-Islamund Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi wegen des Vorwurfs der Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlassen.

Machthaber Gaddafi hatte mit einem Massaker am eigenen Volk gedroht, als Anfang des Jahres der Arabische Frühling auf Libyen übergriff und sich Rebellen gegen den Diktator stellten. Mit Hilfe der Nato, die eine Flugverbotszone einrichtete, siegten die Aufständischen schließlich im August.

Aischa hatte sich nach dem Fall von Tripolis nach Algerien abgesetzt. Auch Gaddafis zweite Frau Safia und die Söhne Mohammed und Hannibal überquerten die Grenze. Algerien gewährte ihnen Asyl. Saif al-Islam, der zweitälteste Sohn Gaddafis, wurde im November festgenommen. Nach der Eroberung von Tripolis durch die Aufständischen Ende August war er untergetaucht und dann im November im Süden des Landes festgesetzt worden. Ihm droht der Prozess vor dem ICC.

Zur Unterstützung der neuen Führung in Tripolis will Frankreich in den nächsten Tagen 230 Millionen Euro eingefrorener libyscher Gelder freigeben. Schätzungsweise 115 Milliarden Euro waren gesperrt worden, von denen bislang nur ein kleiner Teil rücküberwiesen wurde.

lgr/Reuters
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