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Folteropfer Käsemann: Urteil nach 34 Jahren

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Folteropfer Elisabeth Käsemann Argentinische Militärs müssen lebenslang in Haft

Ein Gericht in Argentinien hat zwei Ex-Armeeoffiziere wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Militärdiktatur verurteilt. Sie sind auch verantwortlich für den grausamen Foltertod der Deutschen Elisabeth Käsemann.

Buenos Aires - Sie sind alt, ihr Leben wird nicht mehr lang dauern. Aber die restliche Zeit, die ihnen noch bleibt, werden sie hinter Gittern verbringen. Der 84-jährige ehemalige General Hector Gamen und der 81-jährige frühere Oberst Hugo Pascarelli wurden am Donnerstag (Ortszeit) in Buenos Aires unter anderem wegen Mordes, Entführung, Folter und Vergewaltigung in dem berüchtigten argentinischen Folterzentrum "El Vesubio" verurteilt. Der Kommandant des Lagers, der Oberst Pedro Duran Saenz, starb im Juni während des laufenden Verfahrens. Fünf frühere Gefängniswärter wurden zu Haftstrafen zwischen 18 und 22 Jahren verurteilt.

In dem eineinhalbjährigen Prozess hatte das Gericht insgesamt 156 Verbrechen gegen die Menschlichkeit in dem berüchtigten Gefängnis festgestellt, darunter 19 Erschießungen durch ein Exekutionskommando. In "El Vesubio" (Der Vesuv) im Südwesten von Buenos Aires waren von 1976 bis 1978 rund 2500 Gefangene inhaftiert, darunter auch die 1977 ermordete Tübinger Soziologin Elisabeth Käsemann.

Die Tochter des bekannten Theologie-Professors Ernst Käsemann (1906-1998) war von Junta-Angehörigen verschleppt und am 24. Mai 1977 ermordet worden. Die Bundesregierung trat in dem Prozess als Nebenkläger auf.

In Argentinien hatten die Militärs Anschläge linker Gruppen sowie die politische Schwäche der damaligen peronistischen Präsidentin Isabel Perón 1976 für einen Putsch genutzt. Anschließend eröffnete die Junta eine Hexenjagd auf sogenannte "subversive" Regimekritiker. Menschenrechtsrechtsgruppen schätzen die Zahl der in den Jahren bis 1983 Ermordeten auf 30.000. Die meisten Opfer sind bis heute spurlos verschwunden. Die Militärs verbrannten ihre Opfer damals, verscharrten sie anonym oder stürzten sie betäubt aus Flugzeugen heraus ins Meer.

Seit dem Machtantritt von Ex-Präsident Nestor Kirchner im Jahr 2003 hatte die Annullierung der Amnestiegesetze aus der Zeit der Diktatur die Wiederaufnahme von Prozessen gegen die Verantwortlichen erlaubt. Cristina Kirchner, die 2007 ihrem Mann an der Spitze des Staates nachfolgte, setzt diese Politik fort.

ler/AFP/dpa