Folterskandal Kamerad belastet US-Soldatin Lynndie England

Die US-Soldatin Lynndie England hat sich nach Angaben eines Zeugen bereitwillig an den Misshandlungen irakischer Gefangener beteiligt. Bei einer Anhörung vor dem Militärausschuss belastete ein ehemaliger Kamerad die 21-jährige Soldatin schwer.


Lynndie England neben ihrer Mutter Terri vor dem Militärgericht in Fort Bragg
REUTERS

Lynndie England neben ihrer Mutter Terri vor dem Militärgericht in Fort Bragg

Washington - Lynndie England habe Gefangenen auf Zehen und Fingern herumgetrampelt und sich amüsiert, während Gefangene gezwungen wurden, sich nackt zu einer Pyramide aufeinander zu legen, sagte der bereits verurteilte Soldat Jeremy Sivits nach US-Medienberichten einer Militärkommission auf dem Stützpunkt Fort Bragg (North Carolina).

Auf den Fotos, die den Skandal in dem Gefängnis im Irak im Frühjahr ins Rollen brachten, war England lachend hinter aufeinander liegenden irakischen Gefangenen zu sehen. Auf einem anderen Foto hielt sie einen am Boden liegenden Gefangenen an einer Leine, die um dessen Hals geschlungen war. Die Bilder wurden im Herbst und Winter vergangenen Jahres gemacht. Ein US-Soldat alarmierte schließlich Vorgesetzte in Washington über die Vorgänge in dem Gefängnis.

Die Kommission, die demnächst über die Anklageerhebung gegen England entscheidet, hörte Sivits am Montag telefonisch an. Der Soldat verbüßt am Stützpunkt Camp Lejeune eine einjährige Haftstrafe. England war bei der Aussage anwesend, habe aber keine Gefühlsregung gezeigt, berichteten Reporter. Die 21-Jährige, die im Oktober ein Baby erwartet, hatte sich in einem Fernsehinterview damit verteidigt, dass die Soldaten in Abu Ghoreib aufgefordert gewesen seien, die Gefangenen "weich zu klopfen". Mehrere Zeugen der Anklage bestritten aber, dass es entsprechende Befehle gab. Die Anhörung soll an diesem Dienstag zu Ende gehen.

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