Foltervorwürfe Ägyptische Polizisten sollen jungen Mann umgebracht haben

Schwere Vorwürfe gegen Ägyptens Polizei: Beamte sollen einen 19-Jährigen zu Tode gefoltert haben. Das behaupten der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge Angehörige des jungen Mannes. Das Innenministerium weist die Vorwürfe zurück.


Kairo - Ein Foltervorwurf erschüttert Ägypten: Der 19 Jahre alte Ahmed Schabaan soll von Polizisten in der Stadt Alexandria zu Tode gefoltert worden sein. Familienmitglieder des jungen Mannes erheben die Vorwürfe, wie Amnesty International (AI) mitteilte. Die Menschenrechtsorganisation hat das Land zur Aufklärung der Folter- und Mordvorwürfe aufgefordert. Vier Tage nach dem Verschwinden des Mannes sei seine Leiche in einem Kanal gefunden worden.

Das ägyptische Innenministerium wies die Vorwürfe zurück. Es gebe keine Unterlagen, dass Schabaan überhaupt verhaftet worden sei. Nach offizieller Darstellung hatte Schaaban zusammen mit einem anderen jungen Mann, Ahmed Farrag Labib, am 7. November versucht, einer Studentin ihr Handy zu stehlen. Passanten hätten die beiden Diebe jedoch gestellt. Labib sei der Polizei übergeben worden. Schaaban habe fliehen können. Ein AI-Sprecher erklärte, Ahmed Farrag Labib müsse vor Gewalt und Einschüchterungsversuchen geschützt werden.

Die Taten sollen sich laut AI in der Polizeistation Sidi Gaber zugetragen haben. Politisch brisant sind die Anschuldigungen, weil zwei Beamte dieser Polizeiwache derzeit wegen Totschlags vor Gericht stehen. Sie sollen im vergangenen Juni den 28 Jahre alten Chalid Said zu Tode geprügelt haben, weil dieser angeblich Beweise für ihre illegalen Machenschaften im Drogenhandel gesammelt haben soll.

Der Fall Chalid Said hatte in Ägypten eine Welle von Protesten nach sich gezogen. Auch die US-Regierung und die EU hatte damals auf eine umfassende Aufklärung gedrungen, nachdem es von staatlicher Seite zunächst geheißen hatte, Said habe während einer Razzia ein Drogenpäckchen geschluckt und sei daran erstickt.

Gerüchte über Liebesbeziehung lösen Krawalle aus

Auch an anderer Stelle kam das Land am Dienstag nicht zur Ruhe. Gerüchte über eine Liebesbeziehung zwischen einem Christen und einer Muslimin lösten gewalttätige Krawalle aus. Nach Angaben von Polizisten und Augenzeugen wurden in dem Dorf Nawahidh in der Provinz Kena ein Dutzend Häuser christlicher Familien, ein Geschäft und eine Lagerhalle in Brand gesteckt. Die Beamten nahmen mehrere Dutzend Randalierer fest - Christen und Muslime.

Die Muslimin und der Christ, die sich angeblich in der Nacht zum Dienstag auf dem Friedhof des Dorfes getroffen hatten, wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen, um sie vor möglichen Racheakten zu schützen.

Im Süden von Ägypten kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Christen und Muslimen, häufig wegen Landstreitigkeiten oder Auseinandersetzungen über den Bau von Kirchen. Ihren Höhepunkt erreichten die Auseinandersetzungen Anfang 2010 mit der Ermordung von sechs Christen und eines muslimischen Sicherheitsmannesin einer Kirche.

Die meisten der rund neun Prozent Christen des Landes gehören der koptisch-orthodoxen Kirche an. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen nehmen die Angriffe auf Christen in Ägypten zu.

ulz/AFP/dpa/dapd



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