Foltervorwürfe Britische Soldaten sollen Iraker mit Hinrichtung in Guantanamo gedroht haben

Neue Details zu den Foltervorwürfen gegen britische Soldaten im Irak-Krieg: Armeeangehörige sollen einem irakischen Häftling damit gedroht haben, er solle in Guantanamo hingerichtet werden. Der Mann ist seinen Angaben zufolge von britischen Soldaten außerdem sexuell misshandelt worden.

Britische Soldaten mit irakischem Häftling auf einem 2005 veröffentlichten Foto: Ermittlungen in mehr als 30 Fällen
AFP

Britische Soldaten mit irakischem Häftling auf einem 2005 veröffentlichten Foto: Ermittlungen in mehr als 30 Fällen


London - Im Zusammenhang mit Foltervorwürfen gegen britische Soldaten im Irak hat die Zeitung "The Independent" am Montag weitere Einzelheiten veröffentlicht. Demnach sollen Armeeangehörige einen irakischen Gefangenen gezwungen haben, einen orangefarbenen Trainingsanzug anzuziehen, bevor sie ihm erzählten, dass er in dem US-Gefangenenlager Guantanamo hingerichtet werden solle. Der inzwischen 23 Jahre alter Iraker erklärte, er sei geschlagen und von männlichen und weiblichen Soldaten sexuell misshandelt worden. Dem Bericht zufolge arbeitete er als Sicherheitsmann in der südirakischen Stadt Amara, als er 2006 nach eigenen Angaben aus unbekanntem Grund von vier Soldaten festgenommen wurde.

Bereits am Wochenende hatte das Verteidigungsministerium in London nach eigenen Angaben Ermittlungen eingeleitet, nachdem der "Independent" über 33 Misshandlungsfälle berichtet hatte. Den Soldaten wird dem Bericht zufolge vorgeworfen, irakische Zivilisten vergewaltigt, gefoltert oder auf andere Weise misshandelt zu haben. Die britischen Soldaten sollen ähnliche Methoden angewandt haben wie die US-Soldaten im berüchtigten Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad. Die Vorwürfe beziehen sich auf den Zeitraum zwischen 2003 und 2007. Als ein möglicher Tatort wurde das von britischen und US-Soldaten geführte Camp Bucca genannt.

Der schwerste der geschilderten Fälle betrifft einen zum Tatzeitpunkt im Mai 2003 16 Jahre alten Iraker, der angibt, von zwei britischen Soldaten vergewaltigt worden zu sein. Er sei damals mit anderen irakischen Gefangenen zum Füllen von Sandsäcken abgestellt worden, berichtet er. Dann wurde er von einem Soldaten in einen Raum bugsiert, wo er seinen Angaben zufolge zwei männliche Soldaten beim Oralsex beobachtete. Als sie ihn wahrnahmen, so das mutmaßliche Opfer, das laut "Independent" anonym bleiben möchte, hätten diese ihn zunächst getreten und geschlagen und dann ausgezogen und nacheinander vergewaltigt.

anr/AFP



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