Forderung aus Libyen Papst soll Muslim werden

Die Islam-Äußerungen des Papstes rufen weiterhin Proteste hervor. So forderte der Sohn des libyschen Staatschefs Gaddafi, Benedikt solle Muslim werden. Die türkische Religionsbehörde verlangt seine Festnahme. Kardinal Lehmann, hat die Missverständlichkeit des umstrittenen Zitats eingeräumt.


Berlin - Kardinal Karl Lehmann rief zu einem Dialog der Religionen auf. Dem Papst sei es in seiner Vorlesung während seines Besuchs in der Regensburger Universität darum gegangen, dass der christliche Glaube auf der Vernunft Gottes aufgebaut sei. "Keineswegs ging es ihm darum, wie manche meinten, der Vernünftigkeit des christlichen Glaubens die fehlende Vernünftigkeit anderer Religionen - namentlich des Islam - entgegenzusetzen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz bei einem Empfang des Kommissariats der deutschen Bischöfe heute Abend in Berlin.

Benedikt XVI.: Es konnten Missverständnisse entstehen
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Benedikt XVI.: Es konnten Missverständnisse entstehen

Der Papst habe einen Satz aus einem Dialog zwischen einem byzantinischen Kaiser und einem muslimischen Gelehrten aus dem 14. Jahrhundert wiedergegeben. Da sie ihn so fasziniert hätten, habe er sie zum Ausgangspunkt für seine Überlegungen gemacht. Lehmann räumte jedoch ein, dass das Zitieren dieses Satzes "zur Durchführung des genannten Themas gewiss nicht zwingend notwendig" gewesen sei. Der Satz müsse vor dem historischen Kontext verstanden werden, betonte Lehmann. "Nach meinem Empfinden besteht die einzige Schwierigkeit darin, dass Papst Benedikt XVI. die Voraussetzungen und den Hintergrund dieser Aussagen nur kurz streift. Dadurch konnten Missverständnisse entstehen".

Bei einigen Reaktionen müsse aber eine "absichtliche Fehldeutung" unterstellt werden, sagte Lehmann weiter. Der Papst habe immer wieder deutlich gemacht, dass die katholische Kirche die Muslime mit Hochachtung ansehe.

Ermittlungsverfahren gegen Benedikt gefordert

In der muslimischen Welt hat es heute erneut scharfe Worte gegen den Pontifex gegeben. Benedikt solle während seines geplanten Türkei-Besuchs im November verhaftet werden, verlangten Angestellte des Amtes für religiöse Angelegenheiten in einer an das Justizministerium gerichteten Petition. Sie forderten darin auch, wegen Verletzung der Glaubensfreiheit und der Beleidigung des Islams ein Ermittlungsverfahren gegen den Papst zu eröffnen, berichtete die Nachrichtenagentur Anatolien. Demonstranten trugen heute Schilder mit der Aufschrift: "Entschuldige dich oder komm nicht her". Es ist in der Türkei nicht unüblich, dass Privatpersonen oder Organisationen Gerichtsverfahren gegen Persönlichkeiten von internationaler Bedeutung verlangen. Keines der Gesuche hatte bisher Erfolg.

Für Überraschung hat der Vorschlag des ältesten Sohnes von Libyens Staatschefs Muammar al-Gaddafi gesorgt. "Ich rufe ihn nicht auf, sich zu entschuldigen, aber ich rufe ihn auf, die Wahrheit zu erkennen und dann Muslim zu werden", sagte Mohammed al-Gaddafi in der Hauptstadt Tripolis.

"Wir halten an unserem Islam fest, denn das ist unser Weg zur Stärke und zum Sieg in der Auseinandersetzung mit jedem, der versucht, an unserer Religion oder unserem Propheten zu rütteln", erklärte er bei einer Preisverleihung. Der Gaddafi-Sohn, der die staatliche libysche Telefongesellschaft leitet, zeichnete bei dem Festakt Muslime aus, die den ganzen Koran auswendig gelernt hatten.

"Bedauern ist nicht genug"

Der Mufti von Jerusalem, Mohammed Hussein, hat den Papst wegen zu einer eindeutigen Entschuldigung aufgefordert. Das Bedauern des Papstes sei "nicht genug", erklärte Hussein heute in Jerusalem. Benedikt müsse eine "öffentliche, klare und persönliche Entschuldigung" abgeben. Der Mufti forderte Muslime nach mehreren Anschlägen auf, keine weiteren Kirchen in den Palästinensergebieten anzugreifen.

Die Äußerungen des Papstes hatten in der muslimischen Welt Empörung und Proteste ausgelöst. Benedikt XVI. hatte den byzantinischen Kaiser mit den Worten zitiert: "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten."

ler/Reuters/dpa



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