FPÖ-Chef bei Böhme "Ich konnte alles sagen, was ich rüberbringen wollte"

Haider zu Gast bei Erich Böhme: Unter erheblichen Sicherheitsvorkehrungen hatte der österreichische Rechtspopulist am Sonntag einen Fernsehauftritt in der Sendung "Talk in Berlin". Der derzeit "umstrittenste Politiker Europas" hatte in der Sendung das erste und das letzte Wort. Und niemand bot ihm so recht Paroli.

Berlin - "Ich will den Mythos Haider entzaubern." Das hatte sich der Alt-Star unter den Polittalkern, Erich Böhme, für sein Comeback mit der neuen Show "Talk in Berlin" beim Sender n-tv vorgenommen. Zauber um FPÖ-Chef Jörg Haider gab es am Sonntag in Berlin genug: Das ganze Wochenende war die Hauptstadtpolizei unter Hochspannung. Die eigentlich als Livetalk geplante Sendung wurde unter fast konspirativen Umständen schon am Nachmittag aufgezeichnet. Doch ob ihm sein Ziel gelungen ist, darauf wollte Böhme nach der Sendung keine Antwort geben. "Das muss das Publikum entscheiden".

Strahlend lächelnd und gelöst präsentierte sich der Mann, dessen Partei FPÖ trotz scharfen Protestes und einmaliger Isolierungspolitik durch Europa, Israel und den USA seit Freitag an der österreichischen Regierung beteiligt ist. Die EU handle "völlig überzogen", erklärte er und sprach von "Verleumdungskampagnen, Vorverurteilungen" und ungerechtfertigten Sanktionen.

Das Publikum sprang dem Kärntner bei. Viel Applaus und zustimmende Kommentare kamen aus den Reihen, und in den Werbepausen gab der 50- Jährige zahlreiche Autogramme. Bedingt Schützenhilfe bekam Haider auch von CSU-Politiker Michael Glos. Auch er kritisierte die Politik der EU. "Es sind nicht mehr die Zeiten, wo Großmächte bestimmen, wie kleine Länder sich zu verhalten haben", sagte Glos.

Haider gegenüber platziert war einer seiner schärfsten Kritiker, der jüdische Publizist und Autor Ralph Giordano. "Haider ist einer der sympathischsten Menschen, die mir in meinem 76-jährigen Leben je begegnet sind", sagte der Holocaust-Überlebende. Doch es gehe um Inhalte. Was Haider sage, und was er denke, unterscheide sich erheblich. Er sei sehr skeptisch gegenüber dieser "Saulus-Paulus- Wandlung". Sie komme zu schnell, als dass er sie ihm glauben könnte.

Nahezu als Ratgeber verstanden sich in manchen Momenten Giordano, Böhme, Glos und auch der OSZE-Medienbeauftragte Freimut Duve. Haider solle sich bei den Juden entschuldigen, er solle eine KZ-Gedenkstätte besuchen, Rechtsradikale aus seiner Partei rauswerfen. Haider selbst widersprach keinem der Vorschläge. Haider-Zitate, die ihn mit der Verharmlosung des Nationalsozialismus in Verbindung brachten und von Böhme aufgelistet wurden, wies er von sich. Er warf Böhme schlechte Recherche vor - und niemand bot ihm Paroli. Im Gegenzug warf Haider der deutschen Politik zu viele Tabus vor. "Sie predigen Political Correctness, und einstweilen wird in Deutschland die Meinungsfreiheit zum halsbrecherischen Unterfangen."

"Ich konnte alles sagen, was ich rüberbringen wollte", sagte Haider nach der Sendung. Und er freute sich - vor allem, so sagte er, über Giordano. Der sei ihm so locker begegnet, das Gespräch sei sehr gut gewesen. Nach anfänglicher Bescheidenheit - "ich werde weiter kleine Brötchen in Kärnten backen" - konnte Haider später nicht umhin, seine Kanzler-Ambitionen zu offenbaren: "Das kommt eh."

Ute-Marion Schnurrer und Katja Bauer

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