Wahlkampf in Österreich FPÖ fordert Volksabstimmung zu Euro-Rettungsschirm

Die Rechtspopulisten wollen bei den EU-kritischen Wählern punkten und fordern eine direkte Abstimmung über den "Haftungswahnsinn". In den skurrilen Österreicher Wahlkampf mit Lämmern und knappen Badehöschen schaltet sich nun auch noch Dieter Bohlen ein.
FPÖ-Chef Strache: Der Rechtspopulist will die EU-Kritiker für sich gewinnen

FPÖ-Chef Strache: Der Rechtspopulist will die EU-Kritiker für sich gewinnen

Foto: HEINZ-PETER BADER/ REUTERS

Wien - Der Parteichef der rechtspopulistischen FPÖ pocht in der heißen Phase des österreichischen Wahlkampfs auf eine Volksabstimmung über den Euro-Rettungsschirm ESM. "Ich habe klar die Forderung nach einer Volksabstimmung, die SPÖ, ÖVP und Grüne verweigert hatten beim ESM-Haftungswahnsinn", sagte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

Der FPÖ-Chef hat die Schuldenkrise zum Wahlkampfthema erkoren. Während die Regierungsparteien Sozialdemokratische Partei (SPÖ) und Volkspartei (ÖVP) vor allem auf soziale Themen setzen, will der FPÖ-Chef bei EU-kritischen Wählern punkten. Vorbild beim Thema direkte Demokratie ist für den FPÖ-Chef die Schweiz. "Ich will genau nach dem Vorbild der Schweiz eine direkte Demokratie mit verbindlicher Volksabstimmung bei uns gesetzlich verankert sehen", sagte Strache.

Strache hat wiederholt mit europakritischen Parolen von sich reden gemacht und eine Trennung der Europäischen Union in einen starken und einen schwachen Teil gefordert.

Der Wahlkampf in Österreich nahm zuletzt skurrile Formen an: Die Kandidaten präsentieren sich oben ohne im Badeoutfit, Lämmer sprechen auf Wahlplakaten und auch nachhaltige Kondome spielen eine Rolle. Nun schaltet sich auch noch Dieter Bohlen ein: Er will in Österreich Wahlkampf für das "Team Stronach" des austrokanadischen Milliardärs Frank Stronach machen. Der Musikproduzent tritt am Samstag bei einer Charity-Veranstaltung Stronachs in Wien auf, wie die Veranstalter ankündigten. Dort soll Bohlen am weißen Flügel seine größten Hits anstimmen.

Österreich wählt am 29. September ein neues Bundesparlament. Umfragen zufolge kommt die FPÖ auf ein Fünftel der Wählerstimmen und damit hinter der SPÖ und der ÖVP auf Platz drei. Politologen räumen der FPÖ für eine Regierungsbeteiligung wenig Chancen ein. Sie gehen von einer Fortsetzung der großen Koalition nach der Wahl aus. Nach Angaben des Finanzministeriums hat Österreich bis dato drei der fünf Kapitaltranchen in der Höhe von insgesamt 1,3 Milliarden Euro in den ESM eingezahlt, der überschuldete Mitgliedstaaten der Eurozone durch Notkredite und Bürgschaften zu unterstützt, um deren Zahlungsunfähigkeit zu verhindern.

mia/dpa/Reuters