FPÖ Verkehrsminister soll Parteichef werden

Die Freiheitliche Partei in Österreich hat wieder einmal einen neuen Parteivorsitzenden gefunden. Nach einer siebenstündigen Sitzung soll sich Noch-Verkehrsminister Mathias Reichhold bereit erklärt haben, die Nachfolge der zurückgetretenen Susanne Riess-Passer anzutreten.


Jörg Haider: Der starke Mann fühlt sich bedroht
AP

Jörg Haider: Der starke Mann fühlt sich bedroht

Wien - Angeblich gab es etliche Absagen. Niemand wollte den Parteivorsitz übernehmen. Ein unberechenbarer Jörg Haider, der am Wochenende völlig überraschend erklärt hatte, er wolle beim FPÖ-Parteitag am kommenden Samstag doch nicht als Bundesparteivorsitzender kandidieren, und schlechte Umfragewerte nach dem Rücktritt von Riess-Passer schreckten mögliche Kandidaten offenbar ab.

Also beriet das FPÖ-Präsidium sieben Stunden lang, wie der Interimsvorsitzende Herbert Scheibner am späten Montagabend in Wien mitteilte. Dann soll sich das Gremium nach Informationen der österreichischen Nachrichtenagentur Apa auf den amtierenden Verkehrsminister Mathias Reichhold, 45, geeinigt haben. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es allerdings nicht. Der Kandidat wolle sich noch mit seiner Familie besprechen, hieß es. Scheibner kündigte an, den Namen des Kandidaten am heutigen Dienstag zu benennen. Am Samstag soll der Parteitag in der burgenländischen Stadt Oberwart den neuen Vorsitzenden wählen.

Offen ist auch, ob Reichhold im Falle seiner Wahl zum Parteichef auch Spitzenkandidat der FPÖ bei den Bundeswahlen am 24. November werde, berichtete Apa weiter. Nach derzeitigem Stand ist dies Sozialminister Herbert Haupt.

Haider unterdessen kündigte einmal mehr an, sich künftig nur noch in Kärnten politisch betätigen zu wollen. Er werde auch nicht zum Parteitag nach Oberwart fahren. Seinen Rückzieher im Rennen um den Parteivorsitz begründete der Kärntner Landeshauptmann damit, dass er im Zusammenhang mit dem geplanten Kauf von Abfangjägern massiv bedroht werde. "Ich will mich und meine Familie nicht gefährden", sagte Haider dem österreichischen Fernseh-Sender ORF, nachdem ihm ein Unbekannter zugeraunt habe, er solle den Kauf von Abfangjägern nicht behindern und auf seine Familie aufpassen. Während die FPÖ-Regierungsmitglieder zu dem vom Ministerrat bereits beschlossenen Kauf stehen, lehnt ihn Haider kategorisch ab.



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