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22. Oktober 2010, 22:36 Uhr

Fragen und Antworten

Was die Protokolle wirklich aussagen

WAS ZEIGEN DIE PROTOKOLLE, WAS WURDE GESCHWÄRZT?

Es handelt sich meist um Berichte, die von Soldaten im Feld geschrieben wurden, in der Regel kurz nach den Einsätzen. Sie dienen dazu, das Geschehen auf dem Schlachtfeld und im Land innerhalb des Militärs nachvollziehbar und auswertbar zu machen. Selbst kleine Zwischenfälle werden dokumentiert, um ein Bild von den Ereignissen auch nach oben in der Befehlskette zu ermöglichen.

Vermerkt sind standardisiert unter anderem Tag, Uhrzeit, Ort in Koordinaten, Zahl der Toten und Verwundeten, Ereignistyp und eine Schilderung des Geschehens. SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE haben sich entschlossen, die Schilderungen aus Sicherheitsgründen nur bei einzelnen ausgewählten Protokollen zu dokumentieren - und dabei Namen von Personen zu schwärzen, die durch eine Veröffentlichung in Gefahr geraten könnten. Von den übrigen Hunderttausenden Dokumenten werden nur die standardisierten Angaben dokumentiert.

WIE LIEST MAN DIE DOKUMENTE?

Die Dokumente sind schematisch aufgebaut und enthalten immer die gleichen Felder. Sie sind voller militärischer Fachausdrücke und Abkürzungen, die für Außenstehende kaum zu entschlüsseln sind. Das Video oben und die Fotostrecke zeigen, wie das einzelne Protokoll zu lesen ist:

In der interaktiven Grafik zu den Dokumenten stellt SPIEGEL ONLINE die Protokolle auf einer Karte des Irak dar. Dargestellt werden die Ereignisse entweder nach Totenzahlen, wie sie im jeweiligen Protokoll vermerkt sind, oder nach Ereignistypen, wie das US-Militär sie definiert hat:

WIE ZUVERLÄSSIG SIND DIE PROTOKOLLE?

WIE VOLLSTÄNDIG, WIE WERTVOLL SIND DIE PROTOKOLLE?

Generell handelt es sich höchstens um Dokumente der Stufe "Secret - geheim", nicht aber "Top Secret - streng geheim". Zu vielen aufsehenerregenden Ereignissen wie dem Folterskandal von Abu Ghuraib und dem Massaker von Haditha findet sich mutmaßlich aus diesem Grund nichts in den Dokumenten. WikiLeaks hat aus dem Material außerdem Tausende Dokumente zum Quellenschutz herausgenommen, was zu einer gewissen Verzerrung führt.

Trotz dieser Schwächen ist das Material eine Fundgrube - zum einen, weil es zahllose Details enthält, die sonst nie bekannt geworden wären. Zum anderen liegt der besondere Wert in der großen Zahl der Dokumente, die es erlauben, Entwicklungen über längere Zeit nachzuzeichnen. Auf diese großen Linien wirken sich die erwähnten Schwächen in der Regel nicht gravierend aus.

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