Französischer Präsidentschaftskandidat Ermittlungen gegen Fillon ausgeweitet

Noch mehr Druck für Frankreichs Präsidentschaftskandidat Fillon. Ein Untersuchungsrichter soll die Affäre um die Scheinbeschäftigung seiner Frau überprüfen. Ans Aufgeben denkt der Politiker aber nicht.

Präsidentschaftskandidat François Fillon
AFP

Präsidentschaftskandidat François Fillon


Die französische Justiz hat ihre Ermittlungen gegen den konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon ausgeweitet. Der Fall sei an einen Untersuchungsrichter übergeben worden, teilte die Finanzstaatsanwaltschaft in Paris mit. Die Anwälte des Politikers kritisierten in einer Antwort das Vorgehen und äußerten ihre Zuversicht, dass Fillon für unschuldig erklärt werde.

Fillon steht seit Wochen in der Jobaffäre unter Druck. Ihm wird vorgeworfen, seine Frau Penelope nur zum Schein als Assistentin angestellt und Hunderttausende Euro aus der Staatskasse kassiert zu haben. Es fehlen Belege, dass seine Frau auch tatsächlich arbeitete. Der frühere Ministerpräsident hat die Vorwürfe zurückgewiesen und die regierenden Sozialisten beschuldigt, dahinterzustecken.

Vor der Affäre galt Fillon als klarer Favorit für den Einzug in den Élysée-Palast. Inzwischen bröckelt der Rückhalt für den 62-Jährigen auch in seiner eigenen Partei, an einen Rückzug soll der Politiker aber nicht denken.

Vor einer Woche hatte Fillon in einem Zeitungsinterview gesagt, er werde seinen Wahlkampf selbst dann fortsetzen, wenn die Justiz ihn in der Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Ehefrau formal einer Straftat beschuldigen sollte. "Meine Entscheidung ist klar: Ich bin Kandidat und ich werde weitermachen bis zum Sieg", sagte der Bewerber des konservativ-bürgerlichen Lagers dem "Figaro".

Die erste Runde der Präsidentenwahl in Frankreich findet am 23. April statt. Die Stichwahl ist für den 7. Mai angesetzt.

jan/Reuters/AFP

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allessuper 24.02.2017
1. Bis zum Sieg will der weitermachen.
Aha. Er meint bis zum Sieg von Marine Le Pen, die zwar auch Dreck am Stecken hat, aber schön im Windschatten steht. Wenn die Vernunft siegen würde, dann wäre Benoit Hamon Präsident. Aber die Franzosen scheinen auch ihren Sinn fürs Richtige verloren zu haben.
hansriedl 25.02.2017
2. Fillon
Mein Kampf um die Macht. In einem Zeitungsinterview hatte Fillon vor einer Woche gesagt, er würde seinen Wahlkampf selbst dann fortsetzen, wenn die Justiz ihn in dieser Sache wegen einer Straftat beschuldigen sollte. Betrug scheint bei ihm keine Straftat zu sein, nur ein Kavaliersdelikt.
haltetdendieb 25.02.2017
3. Fillon das wars!
Wenn die Konservativen nicht bald einen neuen Kandidatin aufstellen, dann wars das für Konservativ in Frankreich. Egal, was bei den Ermittlungen rauskommt.
Jeanne E. Maar 25.02.2017
4. In dubio pro reo
Die Unschuldsvermutung wird nach wie vor mit Füssen getreten. Die bisherigen Untersuchungen haben nichts ergeben. Die Durchsuchungen auch nicht. Also wird solange untersucht bis was gefunden wird oder aber die Wahlen vorbei sind. Hummm. Es gibt einfach "nur" die Tatsache, dass da ein Politiker eher seine Familie beschäftigt hat als Fremde. Das wird in tausenden von Betrieben so gemacht. Vielleicht war es eine Frage des Vertrauens? Ein richtiger Partner an der Seite eines Politikers oder auch Firmenchefs ist unbezahlbar. Was Fillon getan hat war gesetzlich nicht verboten. Er hat auch gesagt, dass er zu spät realisiert hat, dass derartige Beschäftigungen in der Öffentlichkeit, vom Volk, nicht mehr so gerne gesehen werden und dass er es deshalb unterlassen hat. Er hat sich entschuldigt. So what, wer will jetzt über jedes Wort, jedes Schriftstück seiner Frau entscheiden, ob es denn einem Gehalt angemessen war? Die Spezis von der "mur des cons"? Und nein, ich bin kein spezieller Fan von ihm. Aber wenn "rechts" nur noch der Le Pen Familien Clan übrig bleibt nach der kalamitösen Hollande-Regierung, dann ist mir Fillon auf alle Fälle lieber.
j.e.r. 25.02.2017
5. In dubio pro reo
Zitat von Jeanne E. MaarDie Unschuldsvermutung wird nach wie vor mit Füssen getreten. Die bisherigen Untersuchungen haben nichts ergeben. Die Durchsuchungen auch nicht. Also wird solange untersucht bis was gefunden wird oder aber die Wahlen vorbei sind. Hummm. Es gibt einfach "nur" die Tatsache, dass da ein Politiker eher seine Familie beschäftigt hat als Fremde. Das wird in tausenden von Betrieben so gemacht. Vielleicht war es eine Frage des Vertrauens? Ein richtiger Partner an der Seite eines Politikers oder auch Firmenchefs ist unbezahlbar. Was Fillon getan hat war gesetzlich nicht verboten. Er hat auch gesagt, dass er zu spät realisiert hat, dass derartige Beschäftigungen in der Öffentlichkeit, vom Volk, nicht mehr so gerne gesehen werden und dass er es deshalb unterlassen hat. Er hat sich entschuldigt. So what, wer will jetzt über jedes Wort, jedes Schriftstück seiner Frau entscheiden, ob es denn einem Gehalt angemessen war? Die Spezis von der "mur des cons"? Und nein, ich bin kein spezieller Fan von ihm. Aber wenn "rechts" nur noch der Le Pen Familien Clan übrig bleibt nach der kalamitösen Hollande-Regierung, dann ist mir Fillon auf alle Fälle lieber.
richtig - aber bei den bisherigen Abklärungen konnten auch keine Entlastungen gefunden werden, was bei effektiv erfolgten Leistungen doch sehr einfach wäre. Keine Hinweise auf effektiv geleistete Arbeit von Penelope Fillon ausser zwei kurzen Buchkritiken für brutto 100'000 Euro - der Verlagsleiter wusste nichts von einem Vertrag - und eben über 800'000 Euro aus Steuergeldern. Weiter hat Fillon über seine Beratungsgesellschaft 2F grössere Beträge - 757 000 Euro netto seit Juni 2012 - zusätzlich zu seinem Einkommen als Parlamentarier kassiert. Da es aus Verfahrensgründen praktisch unmöglich ist, dass Fillon vor den Präsidentschaftswahlen angeklagt wird, versucht er auf Zeit zu spielen. Bei einer allfälligen Wahl kommen dann 5 Jahre Immunität - mit der Hoffnung, dass dann alles vergessen und verziehen ist ..... . Auch ist ein Grossteil der Rechten nicht an einem anderen Kandidaten interessiert - das Risiko Sarkozy ist einfach zu gross!
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