Winterspiele in Russland Hollande schließt sich Gaucks Olympia-Boykott an

Erst Bundespräsident Gauck, dann EU-Kommissarin Reding - und nun die gesamte französische Regierung: Weder Präsident Hollande noch andere Spitzenpolitiker aus Frankreich werden zu den Olympischen Winterspielen ins russische Sotschi reisen.
Hollande in São Paulo: "Ich wünsche den Spielen viel Erfolg"

Hollande in São Paulo: "Ich wünsche den Spielen viel Erfolg"

Foto: NACHO DOCE/ REUTERS

Hamburg/Paris - Klare Worte gab es wieder nicht, aber die Geste ist unmissverständlich: Auch Frankreichs Präsident François Hollande wird nicht zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi fahren. Es sei nicht vorgesehen, dass hohe Vertreter des Staates anlässlich des Sportereignisses nach Russland reisen, sagte Außenminister Laurent Fabius in einem Interview. Demnach boykottiert die gesamte Riege der französischen Spitzenpolitiker die Spiele im Februar.

Erst vor wenigen Tagen hatte der SPIEGEL berichtet, dass Bundespräsident Joachim Gauck nicht nach Sotschi fahren wolle.Eine offizielle Begründung gab es dafür nicht. Das Präsidialamt hatte aber Meldungen, die Absage habe mit der Menschenrechtssituation in Russlandzu tun, nicht dementiert. Kurz darauf schloss sich auch EU-Justizkommissarin Viviane Reding dem Boykott an. Sie verwies als Begründung offen auf die Menschenrechtsverletzungen.

Frankreichs Außenminister Fabius hingegen ließ wie Gauck die Gründe des Boykotts offen. "Ich wünsche den Spielen viel Erfolg", ergänzte Fabius lediglich. Im Vorfeld der Spiele war in Frankreich - ebenso wie in anderen Staaten - die Menschenrechtslage in Russland kritisiert worden. Insbesondere das im Juni verabschiedete Gesetz zum Verbot "homosexueller Propaganda" wurde als Diskriminierung von Schwulen und Lesben verurteilt.

Gauck war mit seiner Boykott-Entscheidung auf gemischte Reaktionen gestoßen. So reagierte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach SPIEGEL-Informationen verärgert. Grund dafür war offenbar, dass die Leitungsebene des Kanzleramts von der Entscheidung aus den Medien erfahren haben soll. Aus dem Präsidialamt verlautete hingegen, man habe das Kanzleramt informiert, bevor die Absage öffentlich wurde. Die Regierungschefin hält es zudem für falsch, dass der Bundespräsident zuließ, dass seine Absage als politisches Signal eines Boykotts gewertet wird.

vks/dpa/AFP