Französischer Präsidentschaftskandidat Fillons Ehefrau soll noch mehr kassiert haben

François Fillon soll in Frankreich einen Erfolg des rechten Front National verhindern. Doch der konservative Präsidentschaftskandidat hat eine peinliche Affäre am Hals - und gerät immer stärker in Bedrängnis.

François Fillon, Ehefrau Penelope
REUTERS

François Fillon, Ehefrau Penelope


Eigentlich gilt François Fillon als aussichtsreicher Kandidat für die französische Präsidentschaftswahl im April. Eigentlich. Denn statt einen selbstbewussten Wahlkampf zu führen, ist der konservative Spitzenpolitiker seit Tagen in der Defensive. Weil seine Frau als Scheinmitarbeiterin des Parlaments zu Unrecht Hunderttausende Euro vom Staat kassiert haben soll, ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft.

Fillon weist die Vorwürfe, er habe seine Frau Penelope jahrelang als parlamentarische Assistentin bezahlt, obwohl sie diesen Job niemals ausgeführt habe, zurück. "Ich bin selbstsicher, ich bin gelassen. Ich warte auf das Ende der Untersuchung", sagte Fillon am Dienstag in Paris. Er sei Opfer einer "professionellen Verleumdungskampagne".

Doch der Druck auf den früheren Regierungschef nimmt weiter zu.

In ihrer jüngsten Ausgabe schreibt die investigative Wochenzeitung "Le Canard Enchainé", Fillons Frau habe sogar deutlich mehr Geld erhalten als bisher angenommen. Insgesamt soll sie gut 831.000 Euro an Steuergeldern kassiert haben. In der Zeitung, die mit ihrer Enthüllung den Fall publik gemacht hatte, war zunächst von 500.000 Euro brutto die Rede gewesen.

Zu den Parlamentsbezügen kämen noch etwa 100.000 Euro von der Zeitschrift "Revue des Deux Mondes", heißt es nun in der neuen "Canard"-Ausgabe. Das Blatt berichtet zudem, dass Fillon in seiner Zeit als Senator (2005 bis 2007) zwei seiner Kinder als parlamentarische Assistenten mit 84.000 Euro bezahlt haben soll.

Fillon hatte bereits in der vergangenen Woche in einem TV-Interview gesagt, als Senator zwei seiner Kinder, die Rechtsanwälte seien, bezahlt zu haben - dabei aber keine Beträge genannt.

Beamte sichern Dokumente

Abgeordnete dürfen in Frankreich Familienmitglieder als parlamentarische Mitarbeiter beschäftigen. Das ist sogar eine weit verbreitete Praxis. Allerdings kommt dabei immer wieder der Verdacht einer illegalen Scheinbeschäftigung auf, also einer Bezahlung ohne Gegenleistung. Penelope Fillon hatte selbst immer betont, sie halte sich aus der Politik vollständig heraus.

Am Dienstag ermittelten Polizisten nun auch im französischen Parlament. Die Beamten ließen sich Dokumente übergeben, wie französische Medien übereinstimmend berichteten. Der Präsident der Nationalversammlung, Claude Bartolone, habe dazu seine Zustimmung erteilt, sagte der Fraktionschef der konservativen Republikaner, Christian Jacob.

Jacob bezeichnete den Einsatz als Durchsuchung. Französische Medien sprachen jedoch eher von einer Dokumentenübergabe. Nach Informationen des Senders France Inter ging es den Beamten insbesondere um die Arbeitsverträge von Penelope Fillon. Die Finanz-Staatsanwaltschaft äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu der Aktion.

Auch in der Bevölkerung könnte die Affäre Fillon Unterstützer kosten. Laut einer Erhebung sind 76 Prozent der Befragten nicht von den Verteidigungsversuchen des früheren Premierministers überzeugt.

kev/AFP/dpa

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frankfurtbeat 31.01.2017
1. selbst ...
selbst wenn alles legal sein sollte wird das dem Kandidaten Fillon die weitere Karriere versemmeln. Grundsätzlich finde ich es übelst, Steuergelder für anscheinend nicht arbeitende Familienmitglieder abzuzwacken. Jetzt wurden anscheinend auch noch die Söhne mit Steuergeldern versorgt - nennt man das wohl französischen Sozialismus?
Art. 5 31.01.2017
2. Der Staat als Selbstbedienungsladen
---Zitat--- Fillon hatte bereits in der vergangenen Woche in einem TV-Interview gesagt, als Senator zwei seiner Kinder, die Rechtsanwälte seien, bezahlt zu haben - dabei aber keine Beträge genannt. ---Zitatende--- Die Wahrheit ist jedoch, dass seine Kinder zur Zeit der Anstellung bei ihm noch gar keine Anwälte waren sondern nur Studenten. Fillon hat den Staat als Selbstbedienungsladen für sich und seine Familie betrachtet. Gerade von solchen Establishment-Politikern haben die Wähler doch mittlerweile immer mehr die Nase voll. Der neue Zeitgeist ist wieder anti-Establishment.
diotto 31.01.2017
3. Wie ein kleiner König!
Und in einer Monarchie alimentiert der Staat den Monarchen und seine Abkömmlinge (Queen, Prinz Charles,...) Dumm nur, daß die Franzosen dieses System in den 1790-ern per Guillotine abgeschafft. Ob das der Herr Fillon aber auch schon weiß? Seine britische Frau (die mit Queen und Prinz Charles) vielleicht nicht so ganz. Ein bißchen Geschichts-Nachhilfe wäre da wohl durchaus hülfreich. Na dann, wohlbekomms!
santoku03 31.01.2017
4.
Zitat von frankfurtbeatselbst wenn alles legal sein sollte wird das dem Kandidaten Fillon die weitere Karriere versemmeln. Grundsätzlich finde ich es übelst, Steuergelder für anscheinend nicht arbeitende Familienmitglieder abzuzwacken. Jetzt wurden anscheinend auch noch die Söhne mit Steuergeldern versorgt - nennt man das wohl französischen Sozialismus?
Er ist Kandidat der Konservativen, Einstein.
ml250 31.01.2017
5. Ich komme da nicht mehr mit
Man könnte meinen, wir leben irgendwann in den 1990ern oder frühen Nuller-Jahren. Alles soweit fein und ab und zu gönnt sich irgend ein Politiker halt mal ein Skandälchen. Aber wir leben in 2017. Es droht die Gefahr, dass politische Kräfte an die Macht kommen, die Euro und EU zerstören wollen. Man möchte doch glauben, dass die etablierten Parteien da nur jene Kandidaten aufbieten, deren Reputation nicht angegriffen werden kann, um die derzeitige politische und wirtschaftliche Ordnung zu erhalten. Aber weit gefehlt! Der amtierende Präsident schreibt lieber Bücher, die nicht zuletzt seine eigenen Parteimitglieder diskreditieren. Diese sind sich untereinander eh nicht grün und den Konservativen fällt nix besseres ein, als einen radikal wirtschaftsliberalen Kandidaten im Reformen, nun ja, nicht gerade liebenden Frankreich ins Rennen zu schicken, der offenbar mit Nachdruck die Selbstsegnung seiner Familie betrieben hat, während er von allen anderen öffentlich Verzicht fordert. Ist das einfach nur Dummheit? Oder totale Unfähigkeit? Oder eine spezielle Form dekadenter Lust am Untergang?
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