Nach Rücktritt wegen Nebenjob-Affäre Macron ernennt neuen Rentenbeauftragten

Per Dekret regelt Frankreichs Präsident Macron die Nachfolge des Beauftragten für die Rentenreform: Laurent Pietraszewski übernimmt. Seit Wochen gehen Franzosen gegen die Pläne auf die Straße.
Emmanuel Macron: Hunderttausende Menschen zum Massenprotest auf den Straßen

Emmanuel Macron: Hunderttausende Menschen zum Massenprotest auf den Straßen

Foto: Dan Kitwood/Getty Images

Personalrochade inmitten aufgeheizter Stimmung: Nach dem Rücktritt des Hochkommissars für die Rentenreform in Frankreich hat Staatspräsident Emmanuel Macron einen Nachfolger gefunden. Laurent Pietraszewski wurde per Dekret zum obersten Rentenbeauftragten der Regierung ernannt, wie aus dem offiziellen Amtsblatt vom Mittwoch hervorgeht. Pietraszewski gehört Macrons Regierungspartei La République en marche an und ist Abgeordneter der französischen Nationalversammlung.

Sein am Montag zurückgetretener Vorgänger Jean-Paul Delevoye hatte eine Schlüsselrolle bei der Vorbereitung der umstrittenen Rentenreform inne, gegen die seit zwei Wochen im ganzen Land gestreikt wird. Enthüllungen über zahlreiche Nebenjobs zwangen den 72-Jährigen zum Rücktritt (mehr zu den Hintergründen erfahren Sie hier).

Gewerkschaften kämpfen erstmals gemeinsam gegen die Reform

Mit einer Rentenreform will die Regierung Macrons die Zersplitterung in 42 Renten-Einzelsysteme beenden, von denen einige zahlreiche Sonderrechte und Privilegien mit sich bringen. Die Regierung machte zwar bei den Übergangsfristen zum neuen Punktesystem Zugeständnisse an die Gewerkschaften, doch diese fordern eine vollständige Rücknahme des Reformvorhabens.

Am Dienstag hatten sich erneut Hunderttausende Menschen zum Massenprotest auf den Straßen versammelt. Auch am Mittwoch werden wieder erhebliche Einschränkungen im öffentlichen Leben und Nah- wie Fernverkehr mit Zügen erwartet. Inzwischen kämpfen erstmals in Frankreich alle großen Gewerkschaften gemeinsam gegen die Rentenreform.

Video zu Streik und Demos in Frankreich: "Der Zeitdruck ist groß"

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vks/dpa/AFP