Frankreichs Aufrüstung Macrons militärische Muskelspiele

Hier ein neues Weltraumkommando, dort ein neues Atom-U-Boot: Frankreich rüstet auf. Damit setzt Präsident Emmanuel Macron auch Deutschland unter Druck, mehr für die europäische Verteidigung zu tun.

Emmanuel Macron bei Parade am 14. Juli in Paris: "Strategische Autonomie"
Eliot Blondet/ REUTERS

Emmanuel Macron bei Parade am 14. Juli in Paris: "Strategische Autonomie"

Von , Paris


Frankreichs Präsident Emmanuel Macron legt in diesen Wochen eine Militärshow nach der anderen hin. Rund um den Nationalfeiertag am 14. Juli weihte er im Hafen von Cherbourg erst das neue atomgetriebene U-Boot "Suffren" ein. Dann verkündete er die Einrichtung eines neuen Weltraumkommandos der französischen Armee. Schließlich nahm er im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Militärparade unter dem Pariser Triumphbogen ab, die nicht nur mit Gadgets wie einem Flyboard aufwartete, sondern an der Soldaten aus zehn europäischen Ländern mit ihren Flaggen teilnahmen. Macron wollte damit für seine Vision einer gemeinsamen europäischen Armee werben.

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Damit verfolgt Paris einen langfristigen Plan: "Entweder bleibt Europa der passive Zuschauer im Duell zwischen den USA und China, oder wir Europäer sagen: Stopp! Wir haben unsere eigenen Prioritäten", erklärt der französische Militärexperte Pascal Boniface, Leiter und Gründer des Pariser Instituts für internationale und strategische Beziehungen (IRIS), dem SPIEGEL. Macron selbst spricht vom Ziel der "strategischen Autonomie". Das ist etwa mit Bezug auf Frankreichs unabhängige atomare Abschreckungsdoktrin im Prinzip nichts neues, wird aber unter Macron neu interpretiert: Als europäische Autonomie in fast allen militärischen Bereichen, um im Zweifelsfall auch ohne die USA von Donald Trump auskommen zu können.

Beispiel Weltraumkommando: "Es geht nicht darum, Leute ins Weltall zu schicken, sondern darum, auf der Erde militärisch operationsfähig zu bleiben", sagt der Weltraum-Experte Xavier Pasco von der Pariser Stiftung für strategische Forschung (FRS). Pasco berichtet, wie sich die Einführung einer Befehlszentrale für sämtliche Weltraumaktivitäten der französischen Armee im Zuge der jüngsten militärischen Auslandseinsätze in Mali und der Sahelzone aufgedrängt habe. "Unsere Einsatzfähigkeit im Ausland hängt heute vom Weltraum ab", sagt Pasco.

Braucht Deutschland auch eine Weltraumwaffe?

Satelliten müssen etwa Drohneneinsätze lenken. Dadurch, so Pasco, wird der Weltraum zum "konventionellen Schlachtfeld". Solange die Satelliten vor allem zur Aufklärung für die atomare Abschreckung dienten, ließ man sie in Ruhe. Heute testet sogar Indien eine neue Satellitenabwehr. Also, sagt Pasco, verlange die Aufrüstung im Weltraum von Frankreich Milliardeninvestitionen.

Und natürlich können aus Pariser Sicht auch die Deutschen helfen: "Deutschlands militärische Aufklärung hat die besseren Radarsatelliten, wir die besseren optischen Satelliten", weiß der Experte. Doch es tun sich Fragen auf: Etwa in welchem Maße man Informationen teilt. Demnächst will Frankreich seine Luftwaffe in Luft- und Weltraumwaffe umbenennen. Muss dem auch Deutschland folgen, wenn man militärisch enger zusammenarbeiten will?

Frankreichs U-Boot-Flotte ist ein ganz anderes Thema. Außer Konkurrenz stehen die vier mit Atomwaffen bestückten französischen U-Boote, von denen zuletzt "Le Terrible" ("Der Schreckliche") im Jahr 2008 seinen Stapellauf hatte. Mit dem jetzt eingeweihten atomgetriebenen Modell "Suffren", benannt nach einem Admiral aus dem 18. Jahrhundert, modernisiert Frankreich seine U-Boot-Flotte.

U-Boot "Suffren": Mehr als 9,1 Milliarden Euro investiert Paris in die Flotte
REUTERS/Benoit Tessier

U-Boot "Suffren": Mehr als 9,1 Milliarden Euro investiert Paris in die Flotte

9,1 Milliarden Euro lässt sich Frankreich den Bau von insgesamt sechs U-Booten der gleichen Klasse bis ins Jahr 2029 kosten, so viel wie es im Jahr 2018 für seine gesamten Rüstungsexporte einnahm. Abgespeckte "Suffren"-Varianten sollen später auch exportiert werden - etwa nach Australien, wo die Franzosen für einen U-Boot-Großauftrag kürzlich die deutsche Konkurrenz ausstachen.

U-Boot-Kooperation à la Airbus?

Die "Suffren" ist ein hochkompliziertes Gerät: Sie besteht aus 700.000 Teilen, die in 70 Millionen Arbeitsstunden zusammengesetzt wurden. Zum Vergleich: Ein Linien-Airbus hat 100.000 Teile und bedarf zur Fertigstellung nur 50.000 Arbeitsstunden. Trotzdem stellt sich französischen und deutschen Militärplanern die Frage, ob eine U-Boot-Kooperation à la Airbus möglich ist. Noch ist davon konkret nicht die Rede.

Derweil laufen die französischen Militärausgaben, was ihren Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrifft, den deutschen davon. Von bisher 1,8 auf 2 Prozent des BIPs erhöht ein neues militärischen Rahmengesetz für die Jahre 2019 bis 2025 das französische Verteidigungsbudget. In Deutschland umfasst der Militärhaushalt derzeit 1,2 Prozent des BIPs. Macht für Frankreich Ausgaben in der Gesamthöhe von 300 Milliarden Euro bis 2025. Eine "kolossale Anstrengung", schreibt die Zeitung Le Monde, warnt aber: Den größten Teil davon könnte die Modernisierung der französischen Atomstreitmacht verschlingen.

Für die übrigen Europäer bliebe viel zu tun, wollten sie mit solchen Ausgaben gleichziehen. Es sei denn, man hielte das ganze Konzept der "strategischen Autonomie" für falsch. Noch hat es in Deutschland, das den USA militärisch traditionell enger verbunden ist, wenig Anhänger.

insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
Dirtyharry 20.07.2019
1. Napoleon
Herr Macrom wird mir mit seiner grosskotzigen Kriegstreiberei zunehmend unsympathisch.
jkbremen 20.07.2019
2. Hoffentlich
schafft es Frankreich die wenig bündnistreuen Deutschen dazu zu bewegen sich mehr für die europäische Verteidigung zu engagieren. Ein tödlicher Irrtum mancher Deutschen dass Putin ein Freund werden könnte und Europa keine weltmachtfähige Armee benötige. Auch Europa hat Interessen die Europa in der Lage sein muss nötigenfalls mit militärischen Mitteln zu verteidigen.
AGCH 20.07.2019
3.
2% des deutschen BIP bedeuten 80 Mrd. Euro! Man stelle sich das mal im Verhältnis zum Bundeshaushalt von 350 Mrd. vor. Was soll diese massive Aufrüstung, will Deutschland in den Krieg ziehen?
cph4 20.07.2019
4.
vor was sollen wir uns sichern? das Geld kann woanders besser eingesetzt werden.vill sollte die Welt mal abrüsten statt ständig auf
jana45 20.07.2019
5. reine Hybris
Staatsverschuldung, Jugendarbeitslosigkeit, konkurenzfähige Wirtschaft - um solche profanen Dinge muss sich ein Macron nicht kümmern
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