Frankreich Erste Prognosen sehen Royal und Sarkozy als Wahlsieger

Der Konservative Sarkozy und die Sozialistin Royal haben die erste Runde der Präsidentenwahl in Frankreich gewonnen. Das zeigen erste Prognosen, die zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale in Belgien veröffentlicht wurden. In zwei Wochen kommt es zur Stichwahl.


Brüssel - Den Prognosen aus Belgien zufolge hat Nicolas Sarkozy einen leichten Vorsprung auf Ségolène Royal, dahinter folgen in sicherem Abstand die anderen Kandidaten. Genaue Zahlen wurden zunächst nicht bekannt. In Frankreich selbst dürfen vor Schließung der 64.000 Wahllokale um 20 Uhr keine Hochrechnungen veröffentlicht werden, in den Nachbarländern aber gibt es kein Verbot. Deshalb wurde die Prognose in Belgien um 18 Uhr bekannt gegeben. Die Agentur Belga und der öffentlich-rechtliche Radiosender RTBF beriefen sich dabei auf erste Befragungen.

Unklar ist im Moment noch, wie weit die Kandidaten auseinander liegen. Die Angaben differieren zu sehr. Einigen Befragungen zufolge liegt der Zentrumspolitiker François Bayrou auf dem dritten Rang. Eine Prognose jedoch sieht Bayrou auf Platz vier, hinter dem Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen.

Der Schweizer Rundfunk berichtet unter Berufung auf Wählerbefragungen, Sarkozy erreiche 29 bis 34 Prozent, Royal komme auf 24 bis 26 Prozent der Stimmen. Bayrou sieht der Schweizer Rundfunk bei 19 Prozent, Le Pen bei 12 Prozent.

Nach einer ersten inoffiziellen Hochrechnung des Ipsos-Instituts lag der frühere Innenminister bei 30,0 Prozent und die Sozialistin bei 25,5 Prozent. Dies berichtet die Schweizer Zeitung "Le Temps" auf ihrer Website. Bayrou erhielte 19 und Le Pen 11 Prozent der Stimmen.

Hohe Wahlbeteiligung

Ungewöhnlich viele Franzosen waren nach einem hoch emotionalen Wahlkampf bei sonnig-warmem Frühlingswetter zur Urne gegangen. Bis 17 Uhr hatten sich nach Angaben des Innenministeriums in Paris schon 73 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt - so viele wie es vor fünf Jahren insgesamt waren.

Vielerorts bildeten sich lange Warteschlangen vor den Wahlbüros. Meinungsforscher hielten es für möglich, dass die Beteiligung so hoch ist wie nie zuvor seit Gründung der Fünften Republik. Die Entscheidung über die Nachfolge von Jacques Chirac, der nach zwölf Jahren Amtszeit nicht wieder antrat, erschien vielen wie eine Schicksalswahl über die Zukunft ihres Landes.

Alle zwölf Kandidaten hatten einen Bruch mit der bisherigen Regierungspolitik angekündigt. Von vornherein wurden Sarkozy und Royal die besten Chancen eingeräumt. Doch auch Bayrou und Le Pen wurden Außenseiterchancen zugetraut, sich für die Stichwahl am 6. Mai zu qualifizieren.

Ärger mit Wahlmaschinen

Abgesehen von nächtlichen Bombenanschlägen korsischer Nationalisten auf Staatsgebäude auf Korsika gab es keine größeren Zwischenfälle. Erheblichen Ärger bereitete allerdings der erste großflächige Einsatz elektronischer Wahlmaschinen für eineinhalb Millionen Wähler in 82 Gemeinden. Wegen der komplizierten Bedienung gab es vor den Geräten teilweise Wartezeiten von mehr als einer Stunde.

Forscher erklärten die Wahlmaschinen zur "Quelle der Diskriminierung", weil viele Ältere und Sehbehinderte mit ihnen nicht zurechtkämen. "Wir schätzen, dass mit diesen Maschinen 25 Prozent der Wähler Gefahr laufen, sich beim Kandidaten zu täuschen, ihre Stimme nicht abgeben zu können oder aufgeben zu müssen", erklärten die Forscher.

asc/plö/Reuters/dpa



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