Sarkozy-Partei Finanzaffäre erschüttert Frankreichs UMP

Der Chef der französischen Konservativen gerät unter Druck: UMP-Chef Jean-François Copé soll während des Wahlkampfs 2012 Millionen an die PR-Firma von Vertrauten gezahlt haben - offenbar für Aufträge, die nie umgesetzt wurden.

UMP-Chef Copé: "Ich habe überhaupt nichts gewusst"
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UMP-Chef Copé: "Ich habe überhaupt nichts gewusst"


Paris - Die vergangenen 24 Stunden brachten keine guten Nachrichten für Frankreichs Konservative. Mit 20,8 Prozent blieb die UMP bei der Europawahl am Sonntag deutlich hinter den Erwartungen zurück. Und am Montag ist die Partei von neuen Betrugsvorwürfen erschüttert worden.

Patrick Maisonneuve, Anwalt einer Kommunikationsfirma, die während des Präsidentschaftswahlkampfs 2012 für die Sarkozy-Partei tätig war, behauptet, dass die UMP das Unternehmen aufgefordert habe, falsche Rechnungen zu stellen. Damit wollte die Partei offenbar Kostenüberschreitungen im Wahlkampf ausgleichen.

Der UMP-Vorsitzende Jean-François Copé sagte, er sei sich keines Fehlverhaltens bewusst. Copé war während des Wahlkampfs 2012 Generalsekretär der Partei. Er habe "überhaupt nichts gewusst" von möglicherweise falschen Abrechnungen der PR-Firma. Am Abend durchsuchte die französische Polizei die Büros der UMP in Paris.

UMP-Politiker verlangen Transparenz

Die Tageszeitung Libération hatte schon zuvor berichtet, dass Copé insgesamt etwa 20 Millionen Euro an die Kommunikationsfirma Bygmalion bezahlt hatte, die von zwei Freunden des heutigen Parteichefs gegründet worden war, darunter sein ehemaliger Büroleiter. Mehrere Wahlkampfveranstaltungen, die Bygmalion in Rechnung gestellt hatte, sollen jedoch gar nicht stattgefunden haben.

Führende UMP-Politiker verlangten völlige Transparenz in der Finanzaffäre. Einen Rücktritt Copés forderte offen zwar keine der Parteigrößen. Ex-Ministerin Valérie Pécresse verlangte aber "sehr harte Entscheidungen" und eine grundlegende Erneuerung der UMP, damit diese das Vertrauen der Wähler und ihrer Mitglieder wiedergewinnen könne.

syd/AFP/Reuters



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