Frankreich Umweltminister tritt nach "Hummer-Affäre" zurück

Hummer und Wein für 500 Euro pro Flasche: Frankreichs Umweltminister François de Rugy soll mehrfach informelle Treffen für Luxusgelage mit Freunden genutzt haben. Nun zieht er Konsequenzen.

Der französische Umweltminister François de Rugy
Georges Gobet/ AFP

Der französische Umweltminister François de Rugy


Nach nur zehn Monaten im Amt hat der französische Umweltminister François de Rugy seinen Rücktritt eingereicht. Er habe sein Rücktrittsgesuch an Premierminister Édouard Philippe überreicht, erklärte er via Facebook.

Medienberichten zufolge hatte er als früherer Präsident der Nationalversammlung wiederholt Festgelage auf Staatskosten gefeiert, bei denen Hummer und Champagner gereicht worden sein sollen. Finanziert wurden die Gelage aus öffentlichen Mitteln. De Rugy selbst bezeichnet sich als Opfer einer "medialen Lynchjustiz".

Für Präsident Emmanuel Macron ist der Rücktritt ein Dämpfer: Erst vor knapp einem Jahr war de Rugys Vorgänger Nicolas Hulot als Umweltminister zurückgetreten. Der beliebte frühere Fernsehmoderator begründete dies mit dem mangelnden Engagement der Regierung für den Klima- und Umweltschutz.

Die Regierung hatte nach den Medienberichten über de Rugy eine Untersuchung eingeleitet und angekündigt, er müsse womöglich veruntreute Gelder zurückzahlen.

Seit Mittwoch brachte das für seinen Investigativ-Journalismus bekannte Pariser Informationsportal "Médiapart" gleich vier Enthüllungsstorys. Demnach gab de Rugy als Vorsitzender der französischen Parlamentskammer zwischen Oktober 2017 und Juni 2018 rund zehn Abendessen, bei denen Hummer, Champagner und teure Weine aus dem Vorrat der Nationalversammlung gereicht wurden. Die bis zu 30 Eingeladenen sollen größtenteils aus dem Umfeld von de Rugys Frau Séverine gestammt haben, die Journalistin bei dem Magazin "Gala" ist.

De Rugy bestreitet die Vorwürfe und sagte, er hasse Kaviar und habe sogar eine "Hummer-Intoleranz". Die Abendveranstaltungen seien Arbeitsessen gewesen. Er kündigte nun eine Verleumdungsklage gegen "Médiapart" an. Die Onlineplattform hatte unter anderem auch berichtet, de Rugy miete trotz seiner hohen Besoldung eine Sozialwohnung in der Provinz.

vks/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.