Affäre um Präsidentschaftskandidaten Fillon soll formell beschuldigt werden

François Fillon wird in der Affäre um eine Scheinbeschäftigung seiner Frau formell beschuldigt. Der Politiker der Konservativen hält trotzdem an seiner Kandidatur zur Präsidentenwahl in Frankreich fest.

François Fillon mit Ehefrau Penelope
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François Fillon mit Ehefrau Penelope


Beobachter rechneten schon mit einem Rücktritt von François Fillon als Bewerber um das Amt des französischen Präsidenten. Doch er will offenbar trotz der Affäre um die mutmaßliche Scheinbeschäftigung seiner Frau weitermachen. Das kündigte er am Mittwoch bei einer überraschend anberaumten Pressekonferenz an. Er halte an seiner Kandidatur fest, sagte Fillon in Paris.

Gleichzeitig verkündete er, dass er nun formell beschuldigt werde. Er habe für den 15. März eine Vorladung vor die zuständigen Untersuchungsrichter erhalten, sagte der konservative Politiker. Er werde dieser Vorladung folgen. Die Ermittlungen gegen ihn nannte er "politisch motiviert".

Wird ein Verfahren gegen den Konservativen eingeleitet, gilt dieser damit offiziell als Beschuldigter. Das sei seinem Anwalt mitgeteilt worden, sagte Fillon. Er weise die Vorwürfe weiter zurück.

Fillons Frau Penelope war jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin ihres Manns angestellt. Enthüllungen in der Zeitung "Canard Enchaîné" hatten aber die Frage aufgeworfen, ob sie tatsächlich Tätigkeiten ausgeführt hatte. Die Justiz ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf Hinterziehung öffentlicher Mittel.

Der Konservative Herausforderer von Marine Le Pen und Emmanuel Macron hatte lange als Favorit für die Wahl gegolten, die Vorwürfe hatten seinen Wahlkampf in den vergangenen Wochen aber schwer belastet und ihn auch in den Umfragen zurückfallen lassen.

vks/dpa/AFP

insgesamt 22 Beiträge
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peeka(neu) 01.03.2017
1. Es ist zu hoffen
dass die deutliche Mehrheit der Franzosen den beiden korruptesten Kandidaten nicht folgt und Herrn Fillon wie auch Frau Le Pen eine dementsprechende Abfuhr erteilt. Macron wäre mit Sicherheit der für die Franzosen beste Präsident. Es ist zu hoffen, dass es die Mehrheit dort auch so sieht.
Kit Kerber 01.03.2017
2.
Fillon glaubt, die gegen ihn erhobene Anschuldigung sei "politisch motiviert". Würde man das ernst nehmen, dann wäre ja die zu diskutierende Frage, wer ein Interesse daran haben könnte, dem Mann mit der weißen Weste eins auszuwischen. Die Antwort liegt auf der Hand: es sind sicher viele. Aber wer von diesen vielen verfügt auch über die Macht, die Staatsanwaltschaft dahingehend zu beeinflussen, mit Lügen eine falsche Anklage gegen den konservativen Präsidentschaftsbewerber in Gang zu bringen? Der Front National hat ein Interesse, klar, aber reichen dessen Fühler schon tief bis in die Justiz? Kann der FN Staatsanwälte steuern? Eher nein. Den regierenden Sozialisten wäre das eher zuzutrauen. Wenn es eine Manipulation der Justiz gibt, dann geht sie vom Parti Socialiste aus. Steckt der stets gut frisierte Hollande dahinter?
blurps11 01.03.2017
3.
Zitat von Kit KerberFillon glaubt, die gegen ihn erhobene Anschuldigung sei "politisch motiviert". Würde man das ernst nehmen, dann wäre ja die zu diskutierende Frage, wer ein Interesse daran haben könnte, dem Mann mit der weißen Weste eins auszuwischen. Die Antwort liegt auf der Hand: es sind sicher viele. Aber wer von diesen vielen verfügt auch über die Macht, die Staatsanwaltschaft dahingehend zu beeinflussen, mit Lügen eine falsche Anklage gegen den konservativen Präsidentschaftsbewerber in Gang zu bringen? Der Front National hat ein Interesse, klar, aber reichen dessen Fühler schon tief bis in die Justiz? Kann der FN Staatsanwälte steuern? Eher nein. Den regierenden Sozialisten wäre das eher zuzutrauen. Wenn es eine Manipulation der Justiz gibt, dann geht sie vom Parti Socialiste aus. Steckt der stets gut frisierte Hollande dahinter?
Es gibt schon länger Spekulationen, dass der leak nur aus dem Finanzministerium kommen könne. Wer war nochmal kürzlich der zuständige Minister ? Ein gewisser Herr Macron ;) Von Manipulationen oder Lügen ist aber auch in den eher konservativen französischen Medien nicht die Rede. Zur Diskussion steht somit gar nicht das Vergehen an sich, sondern nur dessen Relevanz im Präsidentschaftswahlkampf.
politvogel 01.03.2017
4. Wasser auf die Mühlen
der Rechtspopulisten. Die etablierten Parteien und Politiker scheinen nicht zu begreifen, dass es genau solche Klüngeleien sind, die die Bevölkerung zu Le Pen & Co. treibt. Dass Madame selber eine Affäre um zu unrecht erhaltene Gelder aus der EU hat, verfängt aber nicht im gleichen Maße. Im Gegenteil, es sieht so aus, als dass ihre Unterstützer dies als Kavaliersdelikt durchgehen lassen; schließlich ist Brüssel der Hauptgegner ihrer Partei.
Mister Stone 01.03.2017
5. Vive la banane
In Frankreich wird so was auf höchster Ebene relativiert und schließlich eingestellt, oder es gibt einen Schuldspruch ohne Bestrafung. In jedem Fall wird das "Verfahren" der Eliten gegen einen der ihren eine weitere farce werden.
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