Front-National-Gründer Le Pen Wohin mit Opa? Erst mal raus aus der Partei!

Erst sagte sich der Front National von Parteigründer Jean-Marie Le Pen los, nun will die rechtsextremistische Partei den 86-Jährigen ganz loswerden: Parteivize Philippot hat ein Ausschlussverfahren ins Gespräch gebracht.
FN-Gründer Jean-Marie Le Pen: "Völlig verrückte" Idee

FN-Gründer Jean-Marie Le Pen: "Völlig verrückte" Idee

Foto: BERTRAND LANGLOIS/ AFP

Im Streit um die Ausrichtung von Frankreichs rechtsextremen Front National (FN) hat Parteivize Florian Philippot einen Rauswurf des Ehrenpräsidenten Jean-Marie Le Pen ins Spiel gebracht. Es wäre "vorzuziehen", wenn der Parteigründer den FN selbst verlasse, sagte Philippot - ein Parteiausschluss sei aber denkbar.

Am Mittwoch hatte der FN sich von seinem Parteigründer losgesagt. Der Bruch mit dem 86-Jährigen sei "vollständig und definitiv", schrieb Philippot auf Twitter. Auch Le Pens Tochter positionierte sich gegen den Politiker: Marine Le Pen kündigte an, gegen die Pläne ihres Vaters vorzugehen, bei der Regionalwahl im Dezember zu kandidieren.

"Welchen Sinn hat es, in einer Bewegung zu bleiben, deren grundlegende Positionen man nicht teilt?", fragte Philippot nun im Sender RMC. "Die akzeptabelste Lösung" wäre es, wenn der 86-Jährige die Partei aus freien Stücken verlassen würde. Der enge Vertraute der Parteichefin machte aber deutlich: Wenn Jean-Marie Le Pen nicht selbst reagiere, werde die FN-Spitze "ihrer Verantwortung gerecht" werden.

Jean-Marie Le Pen sagte am Donnerstag im Sender RTL, schon die Idee seines Rauswurfs aus dem FN berge "ein Implosionsrisiko" für die Partei. "Wenn diese Entscheidung getroffen werden sollte, wäre sie vollkommen verrückt. Denn das Ansehen, das ich natürlich noch im Front National habe, würde dafür sorgen, dass es zu beträchtlichen Unruhen kommt."

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Mit Blick auf das Vorgehen seiner Tochter gegen ihn sagte der Europaabgeordnete: "Marine Le Pen wünscht vielleicht meinen Tod, aber auf meine Mitarbeit kann sie dabei nicht zählen."

Der Konflikt zwischen dem Parteigründer und der derzeitigen FN-Führung um seine Tochter hatte sich in den vergangenen Tagen zugespitzt, nachdem Jean-Marie Le Pen die Gaskammern in nationalsozialistischen Konzentrationslagern erneut als "Detail der Geschichte" verharmlost hatte. Zudem gab er der rechtsextremen Zeitschrift "Rivarol" ein Interview, in dem er insbesondere Marschall Philippe Pétain verteidigte, der im Zweiten Weltkrieg Staatschef des mit Nazi-Deutschland kollaborierenden Vichy-Regimes war.

Jean-Marie Le Pen war bereits in der Vergangenheit mit ähnlichen Äußerungen über den Zweiten Weltkrieg innerparteilich in die Kritik geraten. Nun hat die Staatsanwaltschaft erneut Vorermittlungen wegen Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufgenommen.

Die wiederholten Ausfälle Le Pens sind schon seit Langem eine Belastung für seine Tochter. Sie will ihre Partei "entdämonisieren", um den FN - mit dieser selbst verordneten Mäßigung - dauerhaft zu einer wählbaren Partei zu machen. Marine Le Pen will bei der Präsidentschaftswahl 2017 erneut antreten - und die Ausgangslage ist für sie dieses Mal besser als 2012, wo immerhin 17,9 Prozent der Wähler für sie stimmten. Bei den Regionalwahlen Ende März bekam die Partei 22 Prozent und wurde landesweit zweitstärkste Kraft.

mxw/AFP
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