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Protestbewegung in Frankreich Dutzende Festnahmen bei "Gelbwesten"-Protesten

Die "Gelbwesten"-Bewegung mobilisiert offenbar weniger Menschen als zuletzt - trotzdem sind in Frankreich wieder Tausende auf die Straße gegangen. Die Polizei meldet Festnahmen, aber bislang keine Ausschreitungen.

In Frankreich reißen die Proteste der sogenannten Gelbwesten trotz der sozialpolitischen Zugeständnisse von Präsident Emmanuel Macron nicht ab. In mehreren Städten versammelten sich erneut Tausende Demonstranten, um gegen die Regierung zu protestieren.

Am fünften Protestwochenende in Folge mobilisieren die "Gelbwesten" in Frankreich aber offenbar deutlich weniger Menschen als zuvor. Die Behörden sprachen von 33.500 Demonstranten, am Samstag vor einer Woche war dagegen von 77.000 Menschen die Rede gewesen.

Die Proteste seien bislang weitgehend friedlich verlaufen, teilte die Polizei mit. Etwa 2000 Menschen seien in kleinen Gruppen durch verschiedene Viertel der französischen Hauptstadt gezogen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, um die Gruppen auseinanderzutreiben. Auch in Nantes im Westen und in Bordeaux im Süden des Landes kam es zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Kundgebungsteilnehmern.

Auseinandersetzungen im Zentrum von Paris

Auseinandersetzungen im Zentrum von Paris

Foto: Jeff J Mitchell/ Getty Images

Der Polizei zufolge wurden mindestens 148 Menschen festgenommen - eine Woche zuvor waren es mehrere hundert gewesen. Angaben des Innenministeriums zufolge sind im gesamten Land etwa 69.000 Polizisten im Einsatz.

Es sei eine schwächere Mobilisierung zu beobachten, auch unter gewaltbereiten Demonstranten, sagte eine Polizeisprecherin dem Fernsehsender BFMTV. Anders als noch vor einer Woche öffneten sowohl der Eiffelturm sowie der Louvre und andere Museen als auch die Cafés im Zentrum der Stadt.

Am vergangenen Wochenende hatten in ganz Frankreich nach offiziellen Angaben 136.000 Menschen demonstriert, allein in Paris waren es demnach 10.000. Es hatte zum Teil heftige Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten gegeben. Tränengas wurde eingesetzt, Autos und Barrikaden brannten.

Forderungen nach einer "Ruhepause"

In Paris stellten sich die Behörden dennoch auf erneute Ausschreitungen ein. Nach Angaben der Polizei kam es nahe der Prachtmeile Champs-Élysées zu Scharmützeln mit kleinen Gruppen von Demonstranten, gegen die Tränengas eingesetzt worden sei. Unweit von Macrons Amtssitz demonstrierte eine Gruppe von "Femen"-Aktivistinnen.

Die "Gelbwesten"-Bewegung hatte Mitte November mit Protesten gegen Benzinpreiserhöhungen begonnen, sich aber schnell zu einer breiten Bewegung gegen die Wirtschaftspolitik von Staatspräsident Macron ausgeweitet. Macron hatte am Montagabend sozialpolitische Maßnahmen angekündigt, aber auch erklärt, an seiner Reformagenda festhalten zu wollen. (Mehr über das Thema erfahren sie hier.)

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"Gelbwesten": Wasserwerfer und Tränengas

Foto: LUCAS BARIOULET/ AFP

Demonstranten sagten, wegen des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg seien weniger Menschen auf den Straßen. Gemäßigte "Gelbwesten" hatten zudem zuletzt zu einer "Ruhepause" und zum "Dialog" mit der Regierung aufgerufen. Die "Gelbwesten" fordern seit Wochen den Rücktritt Macrons sowie Steuersenkungen, höhere Renten und Löhne.

mxw/AFP/Reuters
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