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23. März 2019, 19:14 Uhr

Frankreich

Gelbwesten machen weiter - trotz Verbotszonen

Mehrere französische Städte haben wichtige Straßenzüge für die Gelbwesten-Demonstranten gesperrt. Dennoch wurden die Proteste auch in der 19. Woche in Folge fortgesetzt.

Für diesen Samstag hatte der neue Pariser Polizeipräsident Demonstrationen der Gelbwesten an mehreren Orten der Metropole verboten. Dazu zählten die berühmten Champs-Élysées und die angrenzenden Straßen, der Place de l'Étoile mit dem Triumphbogen, die Gegend um den Amtssitz von Staatschef Emmanuel Macron, und die Nationalversammlung.

Trotz der Einschränkungen gingen die Anhänger der Gelbwesten-Bewegung auf die Straße. Sie demonstrierten in Paris und in anderen französischen Städten. Der Radiosender Franceinfo vermeldete, dass es allein in der Hauptstadt mehrere Demonstrationszüge gab, mehr als 30 Menschen seien vorläufig festgenommen worden. Wie die französische "Libération" berichtet, fand der Protest in Paris entlang der von den Behörden freigegebenen Route statt. Auch in Nizza habe es Demonstrationen und Festnahmen gegeben.

Das Verbot, das der Polizeipräsident in Paris verhängt hatte, wurde mit der Gewalt bei den vergangenen Protesten begründet. Vor einer Woche war es bei den Protesten zu schweren Ausschreitungen gekommen. Auf den Champs-Élysées hatten Randalierer zahlreiche Geschäfte zerstört und teilweise in Brand gesteckt.

Um weitere Gewalt und Plünderungen zu verhindern, untersagte die Polizei sowohl in Paris als auch in Toulouse und Nizza Demonstrationen und Kundgebungen in bestimmten Teilen der Städte. Zur Begründung des Verbots in Nizza hieß es, vor dem Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Sonntag sollten Krawalle vermieden werden.

Macron ordnete zum Schutz öffentlicher Gebäude und anderer Einrichtungen bei den Protesten am Samstag in Paris den Einsatz von Anti-Terror-Kräften der Armee an, um die Polizei zu entlasten. Die Opposition kritisierte, dass die Regierung damit die Gelbwesten mit Terroristen gleichsetze.

Es ist bereits das 19. Wochenende in Folge, an dem die Bewegung gegen die Reformpolitik der Mitte-Regierung von Präsident Macron protestiert. Die Gelbwesten fordern mehr soziale Gerechtigkeit, höhere Renten und die Wiedereinführung der Vermögensteuer. Einige von ihnen wollen im Mai bei den Europawahlen kandidieren.

nil/dpa/AFP/Reuters

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