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Frankreich: Macron siegt bei Präsidentenwahl

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Stichwahl um die Präsidentschaft Frankreich gewinnt Macron

Mit knapper Zweidrittelmehrheit haben die Franzosen einen neuen Präsidenten gewählt. Emmanuel Macron hat jetzt die Chance, Frankreich zu erneuern. Und Europa zu retten.

Er hat es also geschafft. Der Wahlsieg Emmanuel Macrons läutet eine neue Ära ein - für die französische Politik, für Frankreich.

Und wenn er sich durchsetzen kann, mit dem, was er vorhat, dann vielleicht auch für dieses so krisengebeutelte Europa, das Erfolge und ein bisschen Appeal so dringend nötig hat.

Vorerst aber hat er geschafft, was niemandem vor ihm je gelang. Er wird mit 39 Jahren der jüngste Präsident der Fünften Republik sein. Wem das zu wenig ist: Er wird der jüngste französische Staatschef seit Napoleon Bonaparte.

Selbst Valéry Giscard d'Estaing war fast zehn Jahre älter, als er an die Spitze des Staates gewählt wurde.

Und, das vielleicht größte Novum, Emmanuel Macron gehört keiner etablierten Partei an, weder den Sozialisten, noch der bürgerlichen Rechten.

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Frankreich: Macron siegt bei Präsidentenwahl

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Deshalb findet in unserem Nachbarland jetzt nicht nur ein Generationenwechsel statt - sondern es handelt sich um einen regelrechten Umbruch der politischen Welt, so, wie sie dort jahrzehntelang Bestand hatte.

Beides - Verjüngung und Erneuerung - darf und kann, sollte sogar!, gefeiert werden.

Denn mehr als 21 Millionen Franzosen haben für Macron gestimmt - und damit für ein offenes, ein europäisches, ein zugewandtes Frankreich. Sie haben sich nicht abbringen lassen, weder durch die Abkehr der Briten, noch durch Donald Trump, noch durch das, was Marine Le Pen ihnen versprach. Mit elf Millionen Wählerstimmen vereinigte er zwar mehr auf sich als je zuvor bei einer Präsidentschaftswahl, haushoch verloren hat der Front National aber dennoch.

Macron hat einen klaren und deshalb einen umso schöneren Sieg eingefahren - wichtig war er sowieso -, denn er verleiht diesem jungen Präsidenten die Legitimität, das Versprechen einzulösen, das er gegeben hat: Macron will Frankreich erneuern.

Jubel in Paris: "Wir haben Europa gerettet!"

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Er selbst ist keine vierzig, aber die Bewegung, der er vorsteht, die er ausgerufen hat, ist gerade mal ein Jahr alt. En Marche! war das anfangs schwer belächelte "Start-up" dieses ach so ambitionierten Wirtschaftsministers, über den Kabinettskollegen auch mal die Braue runzelten, weil er ihnen mit seinem Enthusiasmus - und seinen Ambitionen - ziemlich auf die Nerven fiel.

Zu jung, zu grün hinter den Ohren, fanden sie. Zu anmaßend: Er wolle zu viel, fanden sie. Denn was er wollte, das benannte er auch. Und wenn er fand, dass etwas nicht so gut laufe, ein Reformvorhaben, ein Gesetzgebungsprozess, eine Antiterrormaßnahme, dann sagte er das auch. Höflich zwar, aber laut und klar.

Er gab nicht klein bei, egal ob ihn seine Chefs - Premierminister oder Präsident - schurigelten wie einen Schulbuben. Er blieb dabei.

Macron war eine Ausnahmeerscheinung in der Politik, von Anfang an.

Aber Präsident? Daran hat niemand geglaubt. Selbst als er von seinem Ministerposten zurückgetreten war, selbst als er seine Kandidatur ausrief, dauerte es noch eine ganze Weile, bis die Demoskopen ihn in ihre Umfragen und Prognosen auch einbanden.

Am Ende, während der langen Wochen dieser unglaublichen Kampagne, war er derjenige, der die Republik verteidigen, sie vielleicht sogar retten musste - weil alle anderen, soll heißen: die Alten, grandios versagt haben.

Mit Macrons Sieg geht ein Wahlkampf zu Ende, der an Spannung und Grausamkeit schwer zu überbieten war - nun ist es vorbei, und es ist denkbar gut ausgegangen.

Die größte Aufgabe: Frankreich mit sich selbst versöhnen

Was allerdings nichts an der riesenhaften Aufgabe ändert, die vor Macron liegt. "Ich fühle eine große Ehre - und eine große Verantwortung", waren seine ersten Worte am Wahlabend; dabei schaute er fast ein wenig hypnotisiert drein. "Ich werde alles tun, um mich ihrer als würdig zu erweisen", versprach er seinem Land und den Franzosen, es klang demütig, für seine Verhältnisse.

Fest steht, von seinem Erfolg wird er sich zügig erholen müssen, denn Anfang Juni stehen die Parlamentswahlen an, dann wird sich entscheiden, wie frei er dabei sein wird, seine Ideen, seine Vorhaben auch umzusetzen. Als erste Amtshandlung hat er versprochen, gleich drei große Reformen anzugehen: Er will den Arbeitsmarkt öffnen und die Chancengleichheit im Ausbildungs- und im Schulsystem wieder herstellen.

Die größte Aufgabe freilich wird die sein, Frankreich wieder ein bisschen mehr mit sich selbst zu versöhnen. Zuversicht zu schaffen, wo viel zu lange wenn nicht Verzweiflung, dann doch gediegene Resignation vorherrschten.

Aber wenn jemandem das gelingen kann, dann ihm - das hat der Ausgang dieser Wahnsinnswahl gezeigt.

Zunächst einmal gilt: Alles ist möglich.

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