Greenpeace-Protest in Frankreich Deutscher wirft Rauchbombe über AKW ab

Spektakuläre Greenpeace-Aktion wenige Tage vor der Stichwahl in Frankreich: Ein Deutscher überflog mit einem motorisierten Gleitschirm das Atomkraftwerk in Bugey und warf eine Rauchbombe auf das Dach der Anlage. Damit sollten die Sicherheitsrisiken der Reaktoren aufgezeigt werden.
Aktivist wirft Rauchbombe ab: Spektakuläre Botschaft an die Kandidaten

Aktivist wirft Rauchbombe ab: Spektakuläre Botschaft an die Kandidaten

Foto: AP/ Greenpeace

Paris - Nach der Aktion wurden der deutsche Greenpeace-Aktivist und ein Helfer festgenommen. Der Mann hatte am Mittwoch eine Rauchbombe auf das Dach des Atomkraftwerks Bugey im Osten Frankreichs geworfen. Danach landete er im inneren Bereich des Kraftwerks und zündete eine weitere Rauchbombe.

Der Deutsche war mit einem motorisierten Gleitschirm über den Reaktor geflogen. Einem Sprecher der Umweltorganisation Greenpeace zufolge wollte der Aktivist auf die "Anfälligkeit von Atomanlagen" aufmerksam machen. "Das Ziel dieser Aktion ist, eine Botschaft an die beiden Präsidentschaftskandidaten zu senden, die das Risiko der Atomkraft leugnen", sagte Sophia Majnoni von Greenpeace Frankreich der Nachrichtenagentur AFP. Es sollten die Risiken eines Angriffs von außen auf ein Atomkraftwerk aufgezeigt werden, etwa ein Flugzeugabsturz.

Anders als in Deutschland sei in Frankreich das Risiko eines Flugzeugabsturzes immer noch nicht in die Sicherheitsanalysen einbezogen worden. Greenpeace war es bereits im Dezember bei einer ähnlich spektakulären Aktion gelungen, mit Aktivisten in zwei Atomkraftwerke einzudringen.

Am Sonntag kommt es zur Stichwahl zwischen Präsident Nicolas Sarkozy und seinem Herausforderer François Hollande. Beide wollen an der Atomkraft festhalten. Hollande will allerdings schrittweise umsteuern und in der nächsten Amtszeit das mehr als 30 Jahre alte, besonders umstrittene Atomkraftwerk Fessenheim an der Grenze zu Deutschland abschalten.

Der Atomkraftwerkbetreiber, der Stromkonzern EDF, versicherte, dass die Greenpeace-Aktion die Sicherheit der Atomanlage nicht in Frage gestellt habe. Die Ende 2011 verstärkten Sicherheitsmaßnahmen hätten es erlaubt, den Aktivisten sofort zu entdecken und zu ergreifen. Laut Innenministerium wurde der Motor-Gleitschirm bereits entdeckt und verfolgt, "bevor er überhaupt die Anlage überflogen hat". Es sei klar gewesen, dass es sich um einen Umweltschutzaktivisten handelte.

Wenige Stunden später gelang es einem weiteren Atomkraftgegner, in eine Nuklearanlage einzudringen. Ein Mann habe es an den Sicherheitsleuten am Eingang des Atomkraftwerkes Civaux im Westen Frankreichs vorbei geschafft, teilte die Polizei mit. "Er hat das Vorfahren eines Lieferwagens ausgenutzt, um sich der Kontrolle der Wachen zu entziehen", hieß es. Der Mann wurde nach rund einer Stunde festgenommen.

Bei dem Eindringling handelt es sich um Hervé Couasnon, der in Frankreich als "kletternder Poet" bekannt ist und 2002 in der Nationalversammlung trotz aller Sicherheitsvorkehrungen ganz nah an Ex-Premierminister Jean-Pierre Raffarin herangekommen war. Couasnon informierte telefonisch die Nachrichtenagentur AFP, dass es ihm gelungen sei, in die Atomanlage vorzudringen: "Ich bin drinnen, ich habe mich in einem Gebüsch versteckt", sagte er AFP. Er wolle damit die Aufmerksamkeit von Sarkozy und Hollande auf die Probleme in Frankreich lenken.

Greenpeace veröffentlichte am Mittwoch auch ein Video, das den Überflug eines mit einer Kamera ausgestatteten Geräts über die französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague im November 2011 zeigt. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation sind dort mehr als 10.000 Tonnen verstrahlter Brennstäbe in Abklingbecken gelagert sowie 64 Tonnen Plutonium. Diese stark radioaktiven Materialien seien nur in einfachen Gebäuden untergebracht, die nicht speziell gegen eine Bedrohung aus der Luft gewappnet seien.

als/dapd/AFP
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