Umfrage in Frankreich Hollande so unbeliebt wie kein Präsident vor ihm

François Hollande bringt einen immer größeren Teil des französischen Volkes gegen sich auf. Nur noch jeder fünfte Franzose ist mit seiner Amtsführung zufrieden - damit ist er nun offiziell der unbeliebteste Präsident seit Beginn der Umfragen im Jahr 1958.
Präsident Hollande: Sogar Sarkozy war beliebter

Präsident Hollande: Sogar Sarkozy war beliebter

Foto: Yoan Valat/ dpa

Paris - Seit dem Start der fünften Republik im Jahr 1958 misst das französische Ifop-Institut die Popularität der Staatschefs - doch so unbeliebt wie der aktuelle Präsident François Hollande war noch keiner vor ihm. Ob Charles de Gaulle, François Mitterand, Jaques Chirac oder Nicolas Sarkozy - sie alle hatten selbst in ihren schlechtesten Zeiten noch mehr Rückhalt in der Bevölkerung.

In einer vom "Journal du Dimanche" an diesem Sonntag veröffentlichten Umfrage kommt Hollande aktuell auf gerade mal noch 20 Prozent Zustimmung. In der Erhebung wurde gefragt, ob die Bürger eher zufrieden oder eher unzufrieden mit seiner Amtsführung sind. Das Tempo des Imageverlusts ist hoch: Im Oktober hatten noch 23 Prozent angegeben, dass sie mit Hollande zufrieden seien. Seit seinem Amtsantritt im Mai 2012 ist seine Beliebtheit kontinuierlich gesunken.

Den bislang niedrigsten Wert in den Umfragen hatte François Mitterrand im Dezember 1991 verbucht, er war damals bei 22 Prozent gelandet. Die niedrigste Zustimmung für Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy hatte im April 2011 bei 28 Prozent gelegen.

Mit seiner unentschlossenen Art hat Hollande große Teile des Volkes gegen sich aufgebracht. Im ganzen Land gibt es Proteste. Besonders in Rage bringen viele Bürger Hollandes Steuerpläne:

  • Am Samstag blockierten mehrere tausend Lastwagen Autobahnen und Landstraßen. Sie protestieren gegen die sogenannte Ecotaxe. Ursprünglich sollte diese Öko-Maut ab 2014 für alle in- und ausländischen Lastwagen gelten. Doch die Regierung hat die Einführung auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Demonstranten fordern nun eine komplette Abschaffung der Pläne.

  • Auch die sogenannte Equitaxe ruft heftigen Widerstand hervor: Die Regierung will den Mehrwertsteuersatz auf Pferde von sieben auf 20 Prozent anheben, das schreibt ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2011 vor. Doch die mehr als zwei Millionen Pferdesportler im Land gehen auf die Barrikaden und warnen vor dem Verlust von Arbeitsplätzen.

  • Französische Fußballclubs wehren sich gegen eine 75-Prozent-Steuer, die sie für Einkommensmillionäre bezahlen sollen. Die Vereine drohen deshalb sogar mit einem Liga-Streik. Auch viele Industriebosse, Banker und bekannte Filmschauspieler sind gegen die Reichensteuer.

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Hollandes Politik ist bisher alles andere als erfolgreich. Im dritten Quartal des Jahres ist französische Wirtschaft sogar geschrumpft. Die Arbeitslosenquote liegt bei elf Prozent. Anfang November hatte die Rating-Agentur Standard & Poor's Hollandes Wirtschaftspolitik scharf angegriffen und die Kreditwürdigkeit des Landes erneut heruntergestuft. Auch von der EU-Kommission gab es in der vergangenen Woche mahnende Worte, weil die Regierung in Paris ihre Haushaltsziel zu verfehlen droht.

stk/AFP
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