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26. Februar 2017, 14:33 Uhr

Ermittlungen gegen Front National

Wer Böses dabei denkt...

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Der Front National bemüht sich um ein Image der sauberen "Anti-System-Partei". Doch Ermittlungen gegen die Partei belasten auch Marine Le Pen. Die solidarisiert sich plötzlich mit ihrem Gegner - warum?

Mit ihren politischen Gegnern geht Marine Le Pen nicht gerade zimperlich um: Egal ob Sozialisten oder Konservative, Vertreter der Linken oder Grünen - sie alle sind ihrer Meinung nach Sachwalter des Establishments, Befehlsempfänger Europas und Propagandisten im Dienst der Globalisierung.

Ganz anders gibt sich der Front National (FN): Die Organisation, die Le Pen 2011 von ihrem Vater Jean-Marie übernahm und geschickt aus der braunen Schmuddelecke führte, sieht sich als Muster an Sauberkeit, Integrität und Transparenz. Eine Partei durchweg aufrechter Bürger im Interesse der Nation, so die Selbstdarstellung. "Gegen die Rechte der Knete und die Linke der Kohle bin ich die Kandidatin eines Frankreichs des Volkes", verkündete Marine Le Pen zur Eröffnung ihrer Präsidentschaftskampagne in Lyon.

Umso verblüffender, dass sich die FN-Chefin nun ausgerechnet für François Fillon öffentlich starkmacht. Der Spitzenkandidat der Konservativen steht im Verdacht, mit Staatsgeldern Frau und Kinder für fiktive Beschäftigungen entlohnt zu haben. Am Freitag wurde in der Affäre ("Penelope-Gate") ein Ermittlungsverfahren gegen Fillon eröffnet.

Plötzlich Mitgefühl mit Konkurrent Fillon

"Das hat lange genug gedauert", erklärte Le Pen in einem Interview mit der Zeitung "La Provence." "Ich habe schon gesagt, dass die Affäre die persönliche Bindung zwischen François Fillon und den Franzosen beschädigt hat." Nun sei es aber "höchste Zeit, dass wir uns auf jene Probleme besinnen, die die Franzosen interessieren."

Das Mitgefühl für den Konkurrenten Fillon, der beim zweiten Durchgang der Präsidentschaftswahl Anfang Mai möglicherweise ihr Gegenkandidat sein könnte, dürfte so selbstlos nicht sein. Denn Marine Le Pen und Vertreter des Front National sind - nur wenige Wochen vor den Wahlen - selbst immer tiefer in juristische Affären verwickelt.

Frankreichs Justiz stellt seit März vergangenen Jahres Nachforschungen an, im Dezember gab es Ermittlungen wegen Verdachts auf Vertrauensbruch und Hehlerei, organisiertem Betrug, Schwarzarbeit und Fälschung und Gebrauch gefälschter Dokumente. Konkret geht es um diese Fälle:

"Verleumdungen", "Intrigen" "politischen Kabale": Marine Le Pen weist alle juristischen Ermittlungen als Machenschaften der "herrschenden Parteienkaste" von sich. "Kein Zufall", dass die Vorwürfe gerade jetzt in den Medien öffentlich gemacht würden. Das Ziel der Enthüllungen sei es, ihrer Präsidentschaftskandidatur zu schädigen, sagte Le Pen, und weigerte sich, in der Affäre um Scheinbeschäftigungen auszusagen.

Durch ihre Immunität als EU-Abgeordnete bleibt sie aber vorerst geschützt. Ihre politische Favoritenrolle ist obendrein bislang nicht beschädigt. In den Umfragen führt die FN-Kandidatin derzeit weiter mit 25 bis 28 Prozent - weit vor allen anderen Rivalen. "Der Sockel ihrer Anhängerschaft ist äußerst solide", analysiert Brice Teinturier, Meinungsforscher bei Ipsos. "Bis zu 80 Prozent der überzeugten 'Marinisten' sind fest entschlossen für Madame zu stimmen."

Und dennoch kratzt die Häufung der juristischen Scherereien allmählich am Nimbus der rechtsextremen Formation als selbst ernannte "Anti-System-Partei".

"Die Affären um das Finanzgebaren von Marine Le Pen und des Front National lassen die Organisation im selben Licht erscheinen wie die gescholtenen Gegner", sagt Olivier Beaumont, Journalist des Hauptstadtblattes "Le Parisien": "In den Augen einer wachsenden Öffentlichkeit erscheint der Front National mittlerweile als Partei wie die anderen."


Korrektur: In einer früheren Version des Artikels hieß es, das Gehalt von Penelope Fillon sei aus EU-Geldern gezahlt worden. Tatsächlich soll es sich um französische Steuergelder gehandelt haben. Wir haben den Fehler korrigiert.

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