Frankreich Islamisten wollten jüdischen Richter entführen

Nach den Attentaten von Toulouse gehen Frankreichs Ermittler verstärkt gegen Islamisten vor. Die Staatsanwaltschaft wirft einer Gruppe von Salafisten vor, die Entführung eines jüdischen Untersuchungsrichters geplant zu haben. Präsident Sarkozy warnte Muslime in einem offenen Brief vor Gewaltappellen.


Paris - Radikale Islamisten sollen in Frankreich die Entführung eines Untersuchungsrichters geplant haben. Eine Gruppe um den Salafisten Mohamed Achamlane habe im vergangenen September bei einem Treffen in Lyon über ein entsprechendes Projekt gesprochen, teilte die Staatsanwaltschaft in Paris am Dienstag mit. Mit der konkreten Ausarbeitung des Plans sei allerdings noch nicht begonnen worden.

Achamlane gehört zu den rund 20 Personen, die am vergangenen Freitag bei landesweiten Razzien gegen islamistische Gruppen festgenommen worden waren. 13 Verdächtigen wird nun unter anderem unerlaubter Waffenbesitz und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Einige der Islamisten sollen mit einem Internetvideo zum Heiligen Krieg aufgerufen und sogar schon in Parks und Wäldern körperlich dafür trainiert haben.

Achamlane, der als Anführer der jüngst verbotenen Organisation Forsane Alizza galt, bestreitet nach Angaben seines Anwalts die Vorwürfe. Innenminister Claude Guéant hatte dessen Gruppe bereits im Februar vorgeworfen, die Mitglieder im bewaffneten Kampf auszubilden.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen handelt es sich bei dem vorgesehen Opfer um einen jüdischen Untersuchungsrichter, der für den Fall eines der Verdächtigen zuständig war. Dieser wurde 2010 im Zusammenhang mit der Vernachlässigung seiner Kinder zu einem Jahr Gefängnisstrafe verurteilt.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden die Islamisten festgenommen, um zu verhindern, dass sie "zur Tat schreiten". So habe es "körperliche Trainings" und "Aufrufe zum Heiligen Krieg" gegeben. Die für den Fall zuständigen Untersuchungsrichter hätten daher kein Risiko eingehen wollen.

Staatsanwalt François Molins betonte am Dienstag, dass die Vorkommnisse nicht in direkter Verbindung mit der Mordserie des Toulouse-Attentäters Mohammed Merah stünden. Merah hatte Mitte vergangenen Monats sieben Menschen erschossen. Bevor er am 22. März bei der Stürmung seiner Wohnung getötet wurde, hatte er sich selbst als Gotteskrieger bezeichnet und erklärt, dem Terrornetzwerk al-Qaida nahezustehen.

Die Opposition hatte kritisiert, dass die Islamisten wenige Wochen vor der französischen Präsidentenwahl festgenommen worden seien, obwohl gegen sie bereits seit dem vergangenen Jahr ermittelt wird.

Sarkozy warnt Muslime vor Gewalt

Kurz vor Beginn eines Treffens französischer Muslime warnte der französische Präsident Nicolas Sarkozy die Organisatoren vor einem Aufruf zu Gewalt und Antisemitismus gewarnt. In einem Brief an den Vorsitzenden der Vereinigung islamischer Organisationen Frankreichs (UOIF), Ahmed Jaballah, schrieb Sarkozy am Dienstag: "Ich werde nicht hinnehmen, dass bei einer öffentlichen Veranstaltung, die auf französischem Boden organisiert wird, Appelle zu Gewalt, Hass und Antisemitismus verbreitet werden".

Die UOIF hält von Freitag bis Montag in Le Bourget bei Paris einen Kongress ab. Dazu verweigerte die französische Regierung bereits vier muslimischen Predigern die Einreise. Die Männer hätten zu Hass und Gewalt aufgerufen und seien "im aktuellen Zusammenhang" ein Risiko für die öffentliche Ordnung, begründeten das Innen- und das Außenministerium vergangene Woche ihr Verbot.

fab/dpa/AFP

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