Familienzwist Jean-Marie Le Pen hält Wahlkampf seiner Tochter für zu lasch

Einst führte er selbst Frankreichs Rechtsextremisten, dann flog er aus der Partei. Jetzt mischt sich Front-National-Gründer Le Pen in den Wahlkampf seiner Tochter ein - mit Kritik.

Jean-Marie Le Pen
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Jean-Marie Le Pen


Lange schon gilt das Verhältnis von Marine Le Pen zu ihrem Vater Jean-Marie als zerrüttet. Der 88-jährige Gründer des einst rechtsextremen, heute zumindest noch rechtspopulistischen Front National (FN) stand immer für einen besonders radikalen Kurs. Seine Tiraden passten nicht zum bürgerlicheren Image, das Tochter Marine dem FN verpassen wollte. Nach antisemitischen Äußerungen ließ sie ihren Vater aus der Partei ausschließen.

Das hält Jean-Marie Le Pen aber nicht davon ab, sich in den Präsidentschaftswahlkampf seiner Nachfolgerin einzumischen. Im Gespräch mit dem Hörfunksender RTL kritisierte er nun den Stil seiner Tochter als zu lasch. "Ich denke, ihre Kampagne war zu lässig", sagte er. An ihrer Stelle hätte er einen Wahlkampf wie US-Präsident Donald Trump geführt, erklärte er - und riet seiner Tochter zu einem "sehr aggressiven" Ton gegen Politiker von links und rechts, die für den Niedergang des Landes verantwortlich seien.

Marine Le Pen hat die Stichwahl um das höchste Staatsamt am 7. Mai erreicht. Umfragen zufolge wird sie das Duell gegen den parteilosen Konkurrenten Emmanuel Macron voraussichtlich verlieren. Dieser liegt in der jüngsten Umfrage des Instituts Opinionway vom Dienstag bei 61 Prozent, Le Pen bei 39 Prozent. Am Montag kündigte sie an, vorübergehend ihren Parteivorsitz niederzulegen - offensichtlich ein Wahlkampfmanöver, um präsidialer auftreten zu können.

FN-Gründer Jean-Marie Le Pen hatte es 2002 ebenfalls in die Stichwahl um die Präsidentschaft geschafft, scheiterte aber deutlich im Duell mit dem konservativen Rivalen Jacques Chirac: Der Rechtsextreme erhielt nur knapp 18 Prozent der Stimmen.

kev/Reuters



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