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23. Januar 2009, 12:29 Uhr

Frankreich

Justizministerin Dati verlässt Sarkozys Regierung

Ihr Ruf war zuletzt arg angekratzt, auch über ihren Rücktritt wurde schon eifrig spekuliert: Nun meldet die französische Zeitung "Le Figaro", dass die umstrittene Justizministerin Rachida Dati Frankreichs Regierung verlassen wird.

Paris - Nach Informationen der Pariser Tageszeitung "Le Figaro" wird Justizministerin Rachida Dati bald aus dem Kabinett ausscheiden. Die Politikerin habe sich bereit erklärt, am 7. Juni bei der Europawahl zu kandidieren, berichtete das regierungsnahe Blatt am Freitag.

Auch Nachrichtenagenturen berichteten unter Berufung auf Regierungskreise, die 43 Jahre alte Dati werde am Samstag vom Parteirat der regierenden UMP auf Platz zwei der Europaliste in der Hauptstadtregion Ile-de-France gehoben. Damit ist ihr ein Platz im Europaparlament sicher. Spätestens im Mai müsse Dati damit ihr Amt niederlegen, um sich auf den Wahlkampf zu konzentrieren. Dati habe sich damit abgefunden, den Ministerposten aufzugeben, schreibt der "Figaro" weiter.

Noch vergangene Woche hatte Dati erklären lassen, sie sei "nicht bereit", das Kabinett zu verlassen. Die Ministerin mit einer Schwäche für Luxus-Kleider hatte nach der Wahl von Sarkozy 2007 zunächst zu den Stars der neuen konservativen Regierung gehört. Erstmals wurde mit ihr eine Vertreterin aus einer nordafrikanischen Einwandererfamilie mit einem großen Ministerium betraut. Dati büßte ihre Beliebtheit aber nach heftigem Widerstand gegen ihre Reformen im Justizsystem und einem angeblich autoritären Amtsstil ein.

Für Furore sorgte sie Anfang Januar, als sie bereits fünf Tage nach der Geburt ihrer Tochter wieder zum Dienst antratt. Dati weigert sich bisher, den Namen des Vaters zu nennen, was in den Medien wilde Spekulationen auslöst. Erst am Freitag dementierte Spanies Ex-Regierungschef José Maria Aznar im Radiosender Europe 1 erneut, dass er der Vater sei. Die Ministerin selbst hatte zu dem Thema im September lediglich gesagt, sie habe "ein kompliziertes Privatleben".

phw/dpa/AFP

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