Französische Rechtspopulistin Le Pen warnt Kanzlerin vor "Explosion der EU"

Nach dem Triumph des Front National bei der Europawahl zeigt sich Parteichefin Le Pen selbstbewusst. Im Gespräch mit dem SPIEGEL warnt sie Kanzlerin Merkel vor dem Hass der Nachbarländer - und zeigt Bewunderung für Kreml-Chef Putin.
Wahlsiegerin Le Pen: "Vorwürfe mache ich unseren eigenen Anführern"

Wahlsiegerin Le Pen: "Vorwürfe mache ich unseren eigenen Anführern"

Foto: FRANCOIS LENOIR/ REUTERS

Hamburg - Marine Le Pen warnt nach dem guten Abschneiden ihrer Partei bei der Europawahl die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel davor, ihre Sparpolitik fortzusetzen: "Wenn sie die Leiden nicht sieht, denen die übrigen europäischen Völker unterworfen sind, wird Deutschland sich verhasst machen", sagte die Vorsitzende des rechtsfranzösischen Front National im Gespräch mit dem SPIEGEL. (Lesen Sie das komplette Interview hier im aktuellen SPIEGEL)

Der Front National hatte bei den Europawahlen vor einer Woche in Frankreich einen triumphalen Erfolg geschafft: Mit einem Stimmenanteil von knapp 25 Prozent hatte sie klar gewonnen und war erstmals bei einer landesweiten Wahl zur stärksten Partei des Landes geworden.

Merkel verteidige eine Politik, die für Deutschland vorteilhaft sei, aber schädlich für alle anderen Länder, sagte Le Pen weiter. "Sie glaubt, man könne Politik machen gegen die Bevölkerungen." Das werde "zur Explosion der EU führen". Sie könne allerdings Merkel nicht vorwerfen, dass sie einen starken Euro bewahren wolle. "Vorwürfe mache ich unseren eigenen Anführern, die unsere Interessen nicht vertreten. Ein starker Euro ruiniert unser Land."

Die EU kritisierten Le Pen als ein "antidemokratisches Monster". Zugleich zeigte sie sich zuversichtlich, im Europäischen Parlament mit anderen EU-skeptischen Parteien eine Fraktion gründen zu können.

Le Pen verteidigte auch ihre Sympathien für Russland in der Ukraine-Krise: "Ich habe eine gewisse Bewunderung für Wladimir Putin, denn er lässt sich nicht von diesem oder jenem Land Entscheidungen aufzwingen." Der russische Präsident denke zuerst an das Interesse Russlands. "Insofern habe ich für Putin den gleichen Respekt wie für Frau Merkel."

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