Frankreich Mehr als 400 Verletzte bei Massenprotesten

Bei den Gelbwesten-Demonstrationen in Frankreich gegen höhere Benzinsteuern starb eine Frau, Hunderte wurden verletzt. Viele Geringverdiener haben aus Wut auf Präsident Macron protestiert.

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So ein Wochenende gab es selten in Frankreich: 290.000 Menschen gingen im ganzen Land auf die Straße, um gegen höhere Benzinpreise zu demonstrieren. Sie blockierten Straßen, Supermärkte und Tankstellen und verursachten kilometerlange Staus.

Der Autobahngürtel um Paris war verstopft, Autobahnen nach Spanien nicht mehr passierbar. Der Mont-Blanc-Tunnel musste freigeräumt werden.

Überschattet wurden die Proteste vom Tod einer Demonstrantin. Eine Autofahrerin überfuhr die 63-Jährige am Samstag an einer Straßenblockade im Osten des Landes.

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Zu dem Unfall kam es laut Innenminister Christophe Castaner, als die Autofahrerin in Pont-de-Beauvoisin ihre Tochter zum Arzt bringen wollte und in Panik geriet, als Demonstranten begannen, auf ihr Auto einzuschlagen. Sie habe Gas gegeben und die 63-Jährige überfahren. Die Autofahrerin erlitt einen Schock.

Mehr als 400 Menschen wurden nach Angaben von Innenminister Christophe Castaner bei den Protestaktionen verletzt, 14 von ihnen schwer, darunter mehrere Polizeibeamte.

Bei den mehr als 2000 Demonstrationen wurden laut Castaner 157 Menschen in Gewahrsam genommen. Der Innenminister sprach von einer "unruhigen Nacht" mit Angriffen, Schlägereien und Messerstechereien. Auch untereinander seien die Protestteilnehmer aneinandergeraten. Castaner beklagte, dass einige von ihnen zu viel Alkohol getrunken hätten und verurteilte die Gewalt als "inakzeptabel".

In Paris marschierten Demonstranten mit gelben Westen über die Champs Elysées und forderten Emmanuel Macron zum Rücktritt auf. Mehrfach überquerten sie den Prachtboulevard in Anspielung auf einen Ausspruch des Präsidenten, der einem Arbeitslosen gesagt hatte, es genüge, die Straße zu überqueren, um Arbeit zu finden.

Der Präsident, der in den vergangenen Monaten immer wieder Massenproteste ausgelöst hatte, verliert in der Bevölkerung zunehmend an Rückhalt. Laut einer Umfrage des Instituts Ifop für die Sonntagszeitung "Journal du Dimanche" sank Macrons Zustimmungsrate im November auf einen neuen Tiefstand von 25 Prozent.

kha/AFP



insgesamt 18 Beiträge
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hansulrich47 18.11.2018
1. Na ja, ist halt Frankreich.
Unsere lieber Freunde mögen es eben drastisch. Wenn die keine Autos umwerfen können oder anzünden, dann war es keine wirkliche Demo. Das machen französische Bauern bei der Demo gegen Obst aus Spanien, das machen die Mitarbeiter der Bahn gegenüber ihre Chefs. Es ist schlicht Tradition und nicht erst seit der Bartholomäus-Nacht oder dem Sturm auf die Bastille. Das beruhigt sich auch wieder! Klar 2€ pro Liter Benzin ist heftig, aber unsere Grünen wollten schon mal 5 DM pro Liter, was so weit nicht weg ist, oder?
Cavendish 18.11.2018
2. Wie kann das denn sein...
...das Geringverdiener gegen ihren Heilsbringer protestieren? Da fehlt doch wieder einmal die beklagenswerte Einsicht in die Notwendigkeit. Dabei fährt der Manu doch jeden Tag mit der Straßenbahn zum Elyseepalast.
Guck-und-horch 18.11.2018
3. Frankreich ist und bleibt...
ein unregierbares Land. So wie es aussieht wählen die das nächste Mal tatsächlich die Aufräumer, und wenn diese dann tun was sie versprechen, dann hat es sich wahrscheinlich endgültig ausprotestiert. Traurig, aber durchaus im realistischen Bereich. Und dann leidet auch die sogenannte deiutsch-französische Freundschaft, diese wird womöglich Makulatur. Nicht auszudenken, was dann noch alles folgen kann.
WarumDenn 18.11.2018
4. Erstaunlich das man in Deutschland die "gelben Westen"
zur Kenntniss nimmt. Der liebe Hr. Macron hat nur noch ein Zustimmung von 26% und das kommt nicht nur von seiner Dieselpreis Erhöhung.
wachtberg62 18.11.2018
5. Der Kern des Problems
Ist und bleibt, das es zu wenig Öl auf dieser Welt gibt, um es einfach nur in Autos (Flugzeugen,Schiffen, Kraftwerken) zu verbrennen. Nur wenn es allen gelingt weniger zu verbrauchen, werden unsere Enkel überleben. Für CO2 und Finanztransaktionssteuern!
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