Nationalfeiertag in Frankreich Polizei setzt Tränengas gegen Demonstranten ein

Rund um Feierlichkeiten zur Erinnerung an den Beginn der Französischen Revolution ist es in Paris zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei nahm Dutzende Demonstranten fest - auch Gelbwesten-Vertreter.

Rafael Yaghobzadeh/AP

Jedes Jahr begeht Frankreich am 14. Juli seinen Nationalfeiertag. Dieser erinnert an den Sturm auf die Bastille im Jahr 1789, der Moment gilt als symbolischer Beginn der Französischen Revolution. In diesem Jahr sind die Feierlichkeiten am Sonntag von Ausschreitungen überschattet worden.

Demonstranten versuchten nach der Militärparade auf den Champs-Élysées, nahe dem Triumphbogen, mit Metallabsperrungen Straßensperren zu errichten. Ein Müllcontainer ging in Flammen auf. Die Polizei schritt ein und Passanten flohen vom Ort des Geschehens. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Mindestens 175 Menschen wurden festgenommen, wie eine Polizeisprecherin dem Sender BFMTV sagte.

Die Demonstranten, die versuchten, Straßen abzusperren, trugen zwar keine gelben Westen. Aber unter den Personen, die in Gewahrsam genommen wurden, waren auch Jerôme Rodrigues, Maxime Nicolle und Éric Drouet. Alle drei sind prominente Vertreter der Gelbwesten-Bewegung. Sie wurden schnell wieder freigelassen. Rodrigues' Anwalt sagte der Nachrichtenagentur AFP, bei der Maßnahme habe es sich um "die Verhaftung eines politischen Oppositionellen" gehandelt.

Merkel lobt grenzüberschreitende Militärparade

Die Gelbwesten-Demonstrationen begannen im November vergangenen Jahres unter anderem als Protest gegen eine geplante Benzinsteuer. Sie weiteten sich allerdings schnell aus und wurden zu Demonstrationen gegen die Politik von Präsident Emmanuel Macron im Allgemeinen. Immer wieder kam es auch zu gewaltsamen Ausschreitungen. Mittlerweile ist die Zahl der Teilnehmer bei den wöchentlichen Protesten zwar zurückgegangen. Aktiv ist die Gruppe aber noch.

Bei der Militärparade war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast. Sie würdigte die grenzüberschreitende Ausrichtung der Veranstaltung. Rund 500 Soldaten der Deutsch-Französischen Brigade waren bei dem Aufzug dabei gewesen. Für Macron hat der Aufbau einer gemeinsamen europäischen Verteidigung in Verbindung mit der Nato Priorität. "Noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Europa so notwendig", sagte der französische Staatschef. Er hatte bereits einen Vorstoß für eine europäische Armee gemacht und damit heftige Kritik seines US-Kollegen Donald Trump geerntet.

Merkel bezeichnete die Parade mit etwa 4300 Soldaten und fast 70 Flugzeugen als "eine große Geste in Richtung der europäischen Verteidigungspolitik". Sie sei auch geehrt, dass Deutsche teilgenommen hätten. "Und deshalb glaube ich, ist dies ein Zeichen einer verstärkten europäischen Zusammenarbeit (...)", sagte die Kanzlerin. Sie hob auch die Bedeutung für das deutsch-französische Verhältnis hervor.

aev/Reuters

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insgesamt 4 Beiträge
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brux 15.07.2019
1. Dünn
Da fehlt doch einiges im Artikel. Die protestierenden Gelbwesten um Drouet waren etwa 40 an der Zahl. Ein verlorener Haufen und man sollte schon erwähnen, dass Drouet bekennender Le Pen Wähler ist. Hier wird schlichtweg das Wahlergebniss von 2017 nicht anerkannt. Die Randale später kam vom schwarzen Block, also von der extremen Linken. Das waren wohl weniger als 100, die da aus Protest gegen den Kapitalismus Geschäfte zerstören wollen. Die Gelbwestenbewegung ist tot, gestorben durch ihre hirnlose Radikalität, ihre mangelnde demokratische Legitimation, und durch numerische Auszehrung. Es wurde in Deutschland nicht berichtet, dass die Gelbwesten ja bei der Europawahl mit einer eigenen Liste angetreten sind. Die bekam 0.6%.
jmat17 15.07.2019
2. Massenware
Zitat von bruxDa fehlt doch einiges im Artikel. Die protestierenden Gelbwesten um Drouet waren etwa 40 an der Zahl. Ein verlorener Haufen und man sollte schon erwähnen, dass Drouet bekennender Le Pen Wähler ist. Hier wird schlichtweg das Wahlergebniss von 2017 nicht anerkannt. Die Randale später kam vom schwarzen Block, also von der extremen Linken. Das waren wohl weniger als 100, die da aus Protest gegen den Kapitalismus Geschäfte zerstören wollen. Die Gelbwestenbewegung ist tot, gestorben durch ihre hirnlose Radikalität, ihre mangelnde demokratische Legitimation, und durch numerische Auszehrung. Es wurde in Deutschland nicht berichtet, dass die Gelbwesten ja bei der Europawahl mit einer eigenen Liste angetreten sind. Die bekam 0.6%.
Ab wieviel Zustimmung darf Ihrer Meinung zufolge protestiert werden? Und, kennen Sie die Forderungern der CGT (hoffentlich haben die für Sie genug Mitglieder, um demokratisch legitimiert zu sein.)?
seine-et-marnais 15.07.2019
3. Dick
Die Frage ist doch die ob die Bürger Stimmvieh sind, die alle fünf Jahre in einem Wahlsystem (Mehrheitswahlrecht) in dem man, bei grosser Wahlenthaltung, mit 20/25% der abgegebenen Stimmen absolute Mehrheiten im Parlament erringen kann, in dem man als 'mündiger' Bürger ansonsten nichts zu sagen hat. Von beiden Seiten wurde da gestern 'falsch' gespielt. Castaner faselte etwas von 'Beeinträchtigung der nationalen Einheit', als ob nicht gerade Macron der Politiker ist der am meisten das Land spaltet. Und auch Drouet, Nicolle, Fernandes spielten falsch, sie waren nicht nur da um den militärischen Tschingderassabum zu bewundern. Nur, mit welcher Legitimität kann man unliebsame Personen wegen 'Rebellion' verhaften die nichts anderes tun als provokativ an einem Ort zu sein. Die Polizei die gelbe (Protest)Luftballons platzen liess, das wirkte irgendwie... 'hilflos'. Der Protest sitzt fest bei den Franzosen, daran ändern auch nichts die Massnahmen der Regierung, Macron ist beliebt bei einem Drittel der Franzosen, die Mehrheit wünscht ihn auf den Mond wo er den Krieg der Sterne spielen will Der zweite Konstat, seit Jahren gibt es in Frankreich am Rande von Demonstrationen Randale, Plünderungen usw. Jetzt also auch nach der Parade zum 14. Juli. Der dritte Konstat, die Champs Elysées verbarrikadierten sich gestern abend, sprich die Geschäfte schlossen und wurden verrammelt und verriegelt. Es kann nicht sein dass ein Fussballereignis in Afrika dazu führt dass da umfangreich Sicherheitsmassnahmen ergriffen werden müssen um Ausschreitungen und Plünderungen zu vermeiden. Insgesamt: ein 14. Juli der ein Debakel war. Zwar gab es in der Hochglanzproduktion einen 'fliegenden Franzosen', es gab militärischen Glanz und Gloria, aber neben den 'X'en, den Schülern der Ecolle Polytechnique die mit Uniform als Frankreichs zukünfige Elite stolz paradierten, gab es 'proletarische' gelbe Luftballons, gab es Hummersymbole als Proteste. Das gerade erst aum 14. Juli eröffnete Fouquet's musste verbarrikadiert werden, die Geschäfte schlossen weil Black Blocks? antikapitalistische Randale machten, und am Abend, nach der Gala am Vormittag gab es abends die Champs Elysées mit einem Flaggenmeer algerischer Fahnen und 'One, two, three, Viva Algérie'. Irgendwie dacht ich an den Ausspruch eines bekannten Politikers der im Laufe einer Militärparade dem stolzen Staatschef sagte 'Wer zu spät kommt wird von der Geschichte bestraft', und irgenwie hat man den Eindruck dass Macron der Geschichte immer nachrennt und an einer Katastrophe vorbeischrammt.
alohawave 15.07.2019
4. @brux Grob verschätzt oder Wunschdenken?
Auch wenn Sie, sehr geehrter "brux", es nicht gerne hören und sehen, waren doch einige tausend Demonstranten gekommen. Durch von der Regierung großangelegte präventive Festnahmen und Blockaden der anreisenden Demonstranten auf Bahnhöfen und Mautstationen, waren es natürlich weitaus weniger als zu anderen Momenten der Bewegung. Aus mutmaßlich taktischen Gründen heraus, hatten sich die Teilnehmer auf mehrere kleinere Demos im Pariser Stadtgebiet verteilt und waren daher vielleicht weniger sichtbar. Es ist klar, dass Macron und Innenminister Castaner über die letzten Monate die breite Masse der Demonstrierenden mürbe gemacht und durch denkwürdige Polizeiaktionen in Angst um Leib und Leben versetzt haben. Die Enttäuschung sitzt dennoch tief und der Groll in der Bevölkerung nährt sich weiterhin an den Skandalen und der Arroganz Macrons und seines Dunstkreises. Die Zuspitzung und Polarisierung des Konflikts führt ganz klar dazu, dass jetzige Demonstrationen eher durch politisierte, unerschrockene und radikale Personen gehalten werden. Was die EU-Wahlen anbetrifft, sehr geehrter "brux", hätten Sie sich als nicht-Franzose ein wenig über die Spitzenkandidaten der selbsternannten Gelbwesten-Liste erkundigen sollen. Jedes Kind in Frankreich weiß, dass der abgedroschene "Schlagersänger" Francis Lalanne sich für nichts zu Schade ist, sich seit Jahren jedem anbiedert und alles tun würde um im Rampenlicht zu stehen. Die 0,6% galten ganz klar ihm und seiner Persönlichkeit. Die Gelbwesten an sich bleiben ganz klar eine Bewegung des sozialen Protests, deren einzige politische Verbindung ihre Aversion gegen Macron und dessen pedantisches Gehabe ist.
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