Frankreich Sarkos Ministerin verprasst Steuergelder für Strumpfhosen

Das Kabinett von Frankreichs Präsident Sarkozy ist um einen Skandal reicher: Justizministerin Dati hat das Budget ihres Hauses üppig überzogen - für solch staatstragende Dinge wie Strumpfhosen und Schminkstunden. Zehntausende Euro an Steuergeldern soll Datis Couture-Chic gekostet haben.

Von Henning Lohse, Paris


Paris - Sarkozys schöne Ministerin Rachida Dati kann sich sehr großzügig geben - auch mit Steuergeldern. Seit ihrer Berufung an die Spitze des Justizministeriums im Juni 2007 explodieren ihre Ausgaben für Reisen, Empfänge und Restaurantbesuche. Die Folge: Die Tochter nordafrikanischer Einwanderer hat ihr Repräsentationsbudget in 2007 um satte 30 Prozent überzogen. "Gelder wurde unter anderem für Nylonstrumpfhosen und Make-up-Sitzungen vor TV-Auftritten ausgegeben", berichtet das Newsportal Mediapart.

Frankreichs Justizministerin Dati: Edle Roben, hohe Stiefel
AFP

Frankreichs Justizministerin Dati: Edle Roben, hohe Stiefel

In Frankreich stehen jedem Minister pro Jahr 200.000 Euro für Repräsentationszwecke zur Verfügung. Und Premierminister Francois Fillon stellt seinen Ministern - trotz der schlechten französischen Wirtschaftsdaten - die gleiche Summe für das Jahr 2008 zur Verfügung.

Justizministerin Rachida Dati, 42, allerdings wird damit nicht auskommen, denn ihr Trend zur Großzügigkeit verstärkt sich. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres hat sie schon über die Hälfte des Budgets für 2008 ausgegeben, 112.356 Euro. In einer offiziellen Stellungnahme musste der Sprecher des Justizministeriums, Guillaume Didier, die Zahlen für 2007 und 2008 bestätigen. Didier erklärte auch Berichte für zutreffend, nach denen im Herbst 2007 eine geheim gehaltene Sonderzahlung von 100.000 Euro nötig war, um das Budget seiner Ministerin auszugleichen. Zuvor hatte offenbar bei einer internen Kontrolle der oberste Kassenprüfer Alarm geschlagen und das Büro der Ministerin wegen seiner Ausgabenpolitik gerügt.

Die Enthüllung hätte nicht unpassender kommen können: Gerade hat Dati, 42, den grandiosesten Termin ihrer jungen Politkarriere zelebriert. Beim opulenten Staatsbankett der britischen Königin zu Ehren von Frankreichs Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy durfte die dunkelhaarige Ministerin neben Prinz Philipp Platz nehmen. Und während sie mit dem Gatten der Königin emsig Konversation betrieb, servierte man auf Schloss Windsor Glattbutt-Filet, Lammnüsschen mit Sauce Hollandaise und feinste Estragon-Karöttchen.

Die in einfachsten Verhältnissen aufgewachsene Dati genoss den Auftritt im Schloss, wirkte sehr elegant in ihrem schwarzen Abendkleid. Ihr gegenüber saßen die königliche Gastgeberin Queen Elisabeth II, Nicolas Sarkozy und Camilla Parker, neben Rachida Dati amüsierten sich Prinz Philipp, Carla Bruni-Sarkozy und Prinz Charles beim französisch-englischen Smalltalk.

Es ist gut möglich, dass Rachida Dati die schlechten Nachrichten aus der Heimat den Appetit, die Stimmung und den restlichen Staatsbesuch etwas verdorben haben.

"Ausgerechnet Rachida!", ächzen die Berater

Zudem hat ihr oberster Chef Nicolas Sarkozy doch gerade angesichts seiner abgestürzten Popularität die geliebte Rolex und die verspiegelten Sonnenbrillen ablegt. Bescheidenheit statt Protzen haben die Berater im Elysée dem großspurig auftretenden Staatschef empfohlen. Sarkozy nimmt es sich zu Herzen, will das genervte französische Wahlvolk von unten neu erobern.

Da passt es gar nicht, dass die aus einer Banlieue stammende Rachida Dati ein wenig vom rechten Wege abzukommen scheint. Rachida Dati, die mit zehn Geschwistern in einer sozial schwachen Vorstadt im Burgund aufwuchs. Rachida Dati, die zu Schulzeiten und während des Studiums nebenbei als Putzfrau und Krankenhilfe arbeitete.

Sarkozy hatte die Politiknovizin Dati nach seinem Wahlsieg im Mai 2007 mit Kalkül in die Regierung geholt. Die Tochter eines marokkanischen Maurers und einer algerischen Mutter sollte die Öffnung seiner Präsidentschaft symbolisieren. Eine Frau als Justizministerin, dazu aus einer Einwandererfamilie stammend, Rachida Dati schien die ideale Besetzung. Zudem war sie eng mit Sarkozy damaliger Frau Cécilia befreundet, die bei Personalentscheidungen ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hatte.

Als Justizministerin, so der Plan der Elysée-Strategen, könnte Dati vielleicht sogar in den notorisch unruhigen Banlieues integrierend wirken. Jene Vororte, in denen der Innenminister Sarkozy im Sommer 2005 mit provokanten Auftritten ("mit dem Kärcher reinigen", "Gesindel") Aufruhr erzeugt hatte.

Als "Barbie-Ministerin" auf Hochglanzcover

Doch der jetzt bekannt gewordene zweifelhafte Umgang mit Steuergeldern ist bei weitem nicht der erste Fauxpas der Vorzeigeministerin. Im Dezember 2007 hatte sie sich der Glamour- und Peoplezeitschrift "Paris Match" zum Fotoshooting zur Verfügung gestellt. In teuren Dior-Roben und mit hochhackigen Stiefeln ließ sich die Ministerin auf den Titel bringen, Mitarbeiter äußerten sich erstaunt, teils schockiert über das Amtsverständnis ihrer Chefin. Die linke Tageszeitung "Libération" ernannte sie flugs zur "Barbie-Ministerin".

Ihr Hang zu edlen Roben hat Rachida Dati vorher schon Ärger eingebracht. Bis September 2007 ließ sie sich für offizielle Anlässe regelmäßig Kleider und Kostüme des Pariser Modehauses Yves Saint Laurent zur Verfügung stellen, ein in Frankreich üblicher Vorgang.

Als Dati im November an der Seite von Nicolas Sarkozy nach Washington reiste, befand sich wieder eine komplette Yves-Saint-Laurent-Garderobe im Gepäck der Ministerin. Ärger gab es, als die eigenwillige Dati im Weißen Haus dann aber mit einem Kleid des Konkurrenten Christian Dior auftrat. Yves Saint Laurent verlangte erbost die geliehenen Kleider und Kostüme zurück. Dati ließ sich mit der Rückgabe wochenlang Zeit. Daraufhin streute Yves Saint Laurent, dass man einen Zahlungsbefehl über 39.000 Euro bereithalte und notfalls auf gerichtlichem Wege die ausstehenden Leihgaben eintreiben werde. Als die Wochenzeitung "Le Canard Enchaîné" den Disput recherchierte, einigten sich die Parteien schnell auf eine Rückgabe - ohne Strafzahlung, ohne Gerichtsverfahren und ohne ein negatives Medienecho.



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