Frankreich Sarkozy staucht Kabinett zusammen

"Es reicht!": Frankreichs Präsident Sarkozy ist verärgert über Minister und Staatssekretäre im Kabinett seines Premiers. Jetzt hat er mehreren mit dem Rauswurf gedroht - die oppositionellen Sozialisten reagieren amüsiert.


Paris - Für kernige Sätze ist Nicolas Sarkozy bekannt: "Verschwinde doch, armer Depp", stauchte der französische Präsident vor wenigen Wochen einen Messebesucher zusammen, der ihm einen mit den Worten "Rühr mich nicht an" einen Händedruck verweigert hatte. Auch gegenüber der konservativen Regierung von Frankreichs Premierminister François Fillon gab sich Sarkozy jetzt nicht zimperlich: Nach einer Reihe von Pannen bei seinen Reformen hat Sarkozy mehreren Ministern und Staatssekretären mit dem Rauswurf aus der Regierung gedroht.

Nicolas Sarkozy ist über mehrere Mitglieder der französischen Regierung verärgert: "Das nächste Mal weise ich Euch die Tür"
REUTERS

Nicolas Sarkozy ist über mehrere Mitglieder der französischen Regierung verärgert: "Das nächste Mal weise ich Euch die Tür"

"Das nächste Mal weise ich Euch die Tür", sagte Sarkozy, wie Teilnehmer nach einer Kabinettssitzung berichteten. Es dürfe keine neuen Fehltritte geben. "Wer es an Solidarität gegenüber der Regierung mangeln lässt, muss gehen." Er werde es nicht hinnehmen, dass "einige zu Lasten der Mannschaft Quote machen".

Sarkozy habe bei seiner Zurechtweisung keine Namen genannt, hieß es. Allen sei aber klar gewesen, dass er die Umweltstaatssekretärin Nathalie Kosciusko-Morizet gemeint habe, die ihrem vorgesetzten Minister in einem Interview "Feigheit" in der Debatte um Gentechnik vorgeworfen hatte. Auch die Äußerungen von Staatssekretärin Rama Yade zu angeblichen "Bedingungen" Sarkozys für einen Boykott der Eröffnung der Olympischen Spiele hätten den Präsidenten verärgert. Zuletzt habe den Staatschef empört, dass Verkehrsminister Dominique Bussereau die Abschaffung von Familienermäßigungen bei der Staatsbahn angekündigt habe.

"Das ist das letzte Mal, dass ich das akzeptiere", habe Sarkozy vor dem Kabinett gesagt. Er sei mit Premierminister Fillon einer Meinung, "dass es reicht!"

Die oppositionellen Sozialisten sahen die Kopfwäsche für die Kabinettsmitglieder als Zeichen für Sarkozys eigenes Versagen nach knapp einem Jahr an der Staatsspitze. "Ich glaube, dass der Hauptverantwortliche heute der Präsident der Republik ist", sagte Sozialistensprecher Julien Dray im Sender Radio Classique. Sarkozy habe sein politisches Kapital verspielt und verhalte sich wie ein schlechter Lehrer, der den Schülern die Schuld gebe, weil sein Lehrkonzept nicht stimme.

hen/AFP



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